
Die beste Smartwatch ist nicht die mit den meisten Features, sondern die, deren Technologie im entscheidenden Moment zuverlässig funktioniert.
- Apple glänzt im Alltag durch ein nahtloses Ökosystem und eine intuitive Bedienung, zeigt aber Schwächen bei Akkulaufzeit und spezialisierten Sportmetriken.
- Garmin dominiert bei der Akkulaufzeit und tiefgehenden Trainingsanalysen, was sie zur ersten Wahl für ambitionierte Ausdauersportler macht, jedoch auf Kosten von Display-Brillanz und App-Vielfalt.
Empfehlung: Analysieren Sie zuerst Ihren realen sportlichen Bedarf und Ihre Toleranz für tägliches Laden, bevor Sie sich von AMOLED-Displays oder App-Stores blenden lassen.
Die Auswahl einer neuen Smartwatch fühlt sich oft an wie eine Prüfung. Auf der einen Seite steht die Apple Watch, das glänzende Statussymbol, das nahtlos mit Ihrem iPhone verschmilzt und mit einem brillanten Display und einer riesigen App-Auswahl lockt. Auf der anderen Seite lauert Garmin, der robuste Spezialist, der mit wochenlanger Akkulaufzeit, unzähligen Datenfeldern und einer fast schon militärischen Präzision prahlt. Die üblichen Ratschläge sind bekannt: Apple für den Lifestyle, Garmin für den Sport. Doch diese Vereinfachung ignoriert die kritischen Details, die über Zufriedenheit oder Frustration entscheiden.
Doch was, wenn die wahre Entscheidung nicht zwischen „schön“ und „sportlich“ liegt, sondern zwischen verlässlichen Daten und cleveren Algorithmus-Schätzungen? Wenn die eigentliche Frage lautet, ob eine Funktion im Ernstfall wirklich Leben retten kann oder nur ein Marketing-Gag ist? Dieser Artikel bricht mit den oberflächlichen Vergleichen. Wir tauchen tief in die Technologie-Fallen ein, hinterfragen die Genauigkeit der Sensoren unter realen Bedingungen und beleuchten die entscheidenden Aspekte der Praxisrelevanz, die oft im Kleingedruckten versteckt sind. Von der unzuverlässigen Pulsmessung bei Kälte bis zur Frage, wem Ihre Gesundheitsdaten eigentlich gehören – wir liefern die Fakten, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen, die über den nächsten Hype hinaus Bestand hat.
Um Ihnen eine klare Struktur für diese kritische Analyse zu bieten, haben wir die acht entscheidendsten Fragen herausgearbeitet. Jede Sektion widmet sich einem Aspekt, der in Standard-Reviews oft zu kurz kommt, aber für Ihre Kaufentscheidung von zentraler Bedeutung ist.
Inhaltsverzeichnis: Der kritische Smartwatch-Check
- Warum versagt die Pulsmessung am Handgelenk oft bei Intervallen und Kälte?
- Wie finanzieren Sie Ihre nächste Smartwatch durch das Bonusprogramm Ihrer deutschen Krankenkasse?
- Erkennt Ihre Uhr Schlafapnoe oder raten die Algorithmen nur?
- Tägliches Laden vs. 2 Wochen Power: Warum die Akkulaufzeit wichtiger ist als das AMOLED-Display
- Wie zuverlässig alarmiert Ihre Uhr den Notarzt, wenn Sie allein im Wald stürzen?
- Wer besitzt eigentlich Ihre Gesundheitsdaten und was passiert damit bei der Krankenkasse?
- Warum ist der Ruhepuls am Morgen Ihr wichtigster Indikator für Gesundheit?
- Warum tragen immer mehr Hobbysportler Glukosesensoren (CGM), obwohl sie keine Diabetiker sind?
Warum versagt die Pulsmessung am Handgelenk oft bei Intervallen und Kälte?
Jede moderne Smartwatch wirbt mit präziser Herzfrequenzmessung direkt am Handgelenk. Die zugrundeliegende Technologie, die Photoplethysmographie (PPG), nutzt grüne LEDs, um den Blutfluss in den Kapillaren zu durchleuchten. Das klingt beeindruckend, doch die Realität im Sportalltag sieht oft anders aus. Sobald intensive Intervalle oder kalte Temperaturen ins Spiel kommen, gerät diese Methode an ihre Grenzen. Der Grund ist sowohl physikalischer als auch physiologischer Natur. Bei schnellen Belastungswechseln, wie beim Sprinttraining, ist der Algorithmus oft zu langsam, um die rasanten Pulsänderungen korrekt zu erfassen. Die Uhr „glättet“ die Kurve und verpasst die wichtigen Spitzenwerte.

Noch gravierender ist der Einfluss von Kälte. Der Körper reagiert auf niedrige Temperaturen mit einer peripheren Vasokonstriktion: Die Blutgefäße in den Extremitäten verengen sich, um die Kerntemperatur zu halten. Für den PPG-Sensor bedeutet das, dass weniger Blut durch das Gewebe fließt, was das optische Signal stark abschwächt und zu ungenauen oder komplett ausfallenden Messungen führt. Während die Genauigkeit bei moderater, gleichmäßiger Belastung bei etwa 80% im Vergleich zu einem EKG-basierten Brustgurt liegt, kann sie unter diesen erschwerten Bedingungen dramatisch sinken. Für Sportler, die ihr Training nach Herzfrequenzzonen steuern, ist das ein entscheidender Nachteil. Ein Brustgurt misst die elektrischen Impulse des Herzens direkt und bleibt von diesen Faktoren unberührt, was ihm eine Genauigkeit von über 99% sichert.
Wie finanzieren Sie Ihre nächste Smartwatch durch das Bonusprogramm Ihrer deutschen Krankenkasse?
Eine hochwertige Smartwatch von Apple oder Garmin kann schnell mehrere hundert Euro kosten. Was viele in Deutschland nicht wissen: Ihre gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich möglicherweise an den Kosten. Viele Kassen haben Bonusprogramme aufgelegt, um gesundheitsbewusstes Verhalten zu belohnen. Durch die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, den Besuch im Fitnessstudio oder einfach nur durch das Erreichen von Schrittzielen können Sie Punkte sammeln, die sich in eine Geldprämie oder einen zweckgebundenen Zuschuss für Gesundheitsleistungen umwandeln lassen. Eine Smartwatch oder ein Fitnesstracker fallen oft in diese Kategorie.
Die Höhe des Zuschusses und die Bedingungen variieren stark von Kasse zu Kasse. Es lohnt sich, die Angebote genau zu vergleichen. Während einige Kassen einen festen Betrag pro Jahr gewähren, koppeln andere die Höhe des Zuschusses an die gesammelten Bonuspunkte. Die Techniker Krankenkasse (TK) ist hierbei oft besonders großzügig. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Möglichkeiten bei einigen der größten deutschen Krankenkassen, basierend auf einer kürzlich durchgeführten Analyse der Zuschussmöglichkeiten.
| Krankenkasse | Maximaler Zuschuss | Bedingungen |
|---|---|---|
| Techniker (TK) | 200-400€ | Bonuspunkte durch Vorsorge + Gesundheitsdividende |
| AOK Plus | 150€ | 90€ Fitnesstracking + 60€ Gesundheitsziele |
| Barmer | 150€ | 10€ pro Aktivität, max. 150€/Jahr |
| IKK classic | 225€ | Zuschuss 3x höher als Geldbonus |
Um den Zuschuss zu erhalten, müssen Sie in der Regel die gesammelten Nachweise zusammen mit dem Kaufbeleg der Smartwatch bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Der Kauf muss während Ihrer Mitgliedschaft erfolgt sein. Es ist ein kleiner bürokratischer Aufwand, der sich aber finanziell deutlich lohnen kann und die Einstiegshürde für hochwertige Technologie senkt.
Erkennt Ihre Uhr Schlafapnoe oder raten die Algorithmen nur?
Die Erkennung von Vorhofflimmern per EKG-Funktion ist bei Apple und Garmin bereits ein etabliertes und sogar medizinisch zertifiziertes Feature. Ein neueres Marketingversprechen, das vor allem bei Garmin-Uhren auftaucht, ist die potenzielle Erkennung von Schlafapnoe. Aber was steckt wirklich dahinter? Die Antwort ist eine klassische „Algorithmus-Schätzung“. Weder eine Apple Watch noch eine Garmin-Uhr kann eine Schlafapnoe diagnostizieren. Dafür fehlt ihnen schlicht die notwendige medizinische Messtechnik.
Was die Uhren stattdessen tun, ist die nächtliche Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2) zu überwachen. Ein wiederholtes, signifikantes Absinken dieser Werte während des Schlafs kann ein Indikator für Atemaussetzer sein, die bei einer Schlafapnoe typisch sind. Die Uhr schlägt also nicht Alarm, weil sie eine Apnoe „erkennt“, sondern weil ihre Algorithmen ein Muster in den SpO2-Daten finden, das auf ein mögliches Problem hindeutet. Laut einer Analyse der GameStar-Redaktion erkennt das Garmin-Modell in Deutschland sogar potenziell Anzeichen dafür, aber es bleibt ein Hinweis, keine Diagnose.
Eine echte Diagnose kann nur in einem Schlaflabor mittels Polysomnographie erfolgen. Dort werden neben der Sauerstoffsättigung auch Hirnströme (EEG), Augenbewegungen, Muskelaktivität und der tatsächliche Atemfluss gemessen. Die Smartwatch ist also bestenfalls ein Frühwarnsystem. Wenn Sie von Ihrer Uhr wiederholt auf niedrige SpO2-Werte in der Nacht hingewiesen werden, ist das kein Grund zur Panik, aber ein valider Anlass, das Gespräch mit Ihrem Hausarzt zu suchen. Betrachten Sie es als validierte Metrik vs. Algorithmus-Schätzung: Die Uhr liefert einen Datenpunkt, die Interpretation und Diagnose obliegt einem Mediziner.
Tägliches Laden vs. 2 Wochen Power: Warum die Akkulaufzeit wichtiger ist als das AMOLED-Display
Beim direkten Vergleich einer Apple Watch Ultra mit einer Garmin Fenix fällt sofort der Unterschied ins Auge: Das brillante, leuchtstarke AMOLED-Display der Apple Watch stellt das eher matte, transreflektive MIP-Display der Garmin in den Schatten. Doch dieser erste Eindruck täuscht über einen der fundamentalsten Unterschiede in der Nutzungsphilosophie hinweg: die Akkulaufzeit. Hier prallen zwei Welten aufeinander, und die Wahl hat massive Auswirkungen auf die Praxisrelevanz im Alltag und beim Sport.

Die Apple Watch ist als Erweiterung des iPhones konzipiert und erwartet, wie dieses, tägliche Aufmerksamkeit am Ladekabel. Selbst das Top-Modell Ultra kommt im Normalbetrieb kaum über 2-3 Tage. Eine Garmin hingegen ist ein autarkes Werkzeug, das wochenlang im Hintergrund arbeitet. Ein aktueller Praxistest zeigt, dass die Akkulaufzeit bei einer Garmin 13,5 Tage beträgt, verglichen mit 2-3 Tagen bei der Apple Watch Ultra. Diese Diskrepanz ist keine Nebensächlichkeit, sondern ein entscheidender Faktor. Wer seine Uhr auch zum Schlaftracking nutzen will, muss bei Apple den Ladevorgang aktiv in den Tagesablauf einplanen – eine potenzielle Fehlerquelle und ein ständiger Gedanke im Hinterkopf.
Fallbeispiel: Mehrtageswanderung im Schwarzwald
Ein Wanderer plant eine 4-tägige Tour durch den Schwarzwald ohne Zugang zu einer Steckdose. Mit einer Apple Watch müsste er eine schwere Powerbank mitnehmen oder die GPS-Aufzeichnung stark einschränken. Die Garmin Fenix hingegen läuft im Smartwatch-Modus bis zu 9 Tage und bietet im reinen GPS-Modus bis zu 50 Stunden Aufzeichnung. Im speziellen Expeditionsmodus sind sogar bis zu 21 Tage lückenloses Tracking möglich. Für Outdoor-Sportler, Reisende oder schlicht jeden, der sich nicht täglich um ein weiteres Gerät kümmern möchte, ist die überlegene Akkulaufzeit von Garmin kein Luxus, sondern eine Kernfunktion.
Wie zuverlässig alarmiert Ihre Uhr den Notarzt, wenn Sie allein im Wald stürzen?
Die automatische Sturz- und Unfallerkennung ist eine der meistbeworbenen Sicherheitsfunktionen von Apple und Garmin. Die Vorstellung, nach einem schweren Sturz allein im Wald automatisch Hilfe zu rufen, ist beruhigend. Doch die technische Umsetzung und die Zuverlässigkeit im deutschen Rettungssystem unterscheiden sich fundamental. Hier zeigt sich die Bedeutung des Ökosystems und der Konnektivität auf dramatische Weise. Die Apple Watch mit Mobilfunk (LTE-Modelle) ist in der Lage, nach einem erkannten Sturz eigenständig den Notruf 112 zu wählen und eine Verbindung zur lokalen Rettungsleitstelle herzustellen. Dabei werden auch die GPS-Koordinaten übermittelt. Dies funktioniert auch dann, wenn das iPhone nicht in der Nähe ist.
Garmin verfolgt einen anderen Ansatz. Die Uhr besitzt kein eigenes Mobilfunkmodul und ist auf die Verbindung zum gekoppelten Smartphone angewiesen. Bei einem erkannten Notfall sendet die Uhr über das Smartphone eine vorher definierte SMS oder E-Mail an Notfallkontakte. Diese Nachricht enthält einen Link zur Live-Position. Das System hat zwei entscheidende Schwachstellen: Es ist auf ein funktionierendes Smartphone mit Netzempfang angewiesen, und es alarmiert keine professionelle Rettungsleitstelle, sondern private Kontakte, die den Notruf dann manuell auslösen müssen – ein potenziell kritischer Zeitverlust. In einem Funkloch ist das Garmin-System nutzlos.
Ein Praxistest von heise online hebt diese Unterschiede deutlich hervor und zeigt die Überlegenheit des direkten 112-Anrufs. Die folgende Tabelle fasst die Systeme zusammen:
| Feature | Apple Watch (mit LTE) | Garmin |
|---|---|---|
| Notruf-Methode | Direkter 112-Anruf | SMS/E-Mail an Kontakte |
| GPS-Übermittlung | Automatisch an Leitstelle | In Nachricht an Kontakte |
| Mobilfunk nötig | Nein (eigenes LTE) | Immer (via Smartphone) |
| Funklöcher-Problem | Weniger kritisch | Kritisch ohne Empfang |
Bei Fehlalarmen beim Mountainbiken oder Skifahren ist ein schneller Abbruch wichtig, um Fehleinsätze zu vermeiden.
– Redaktion, Praxistest deutscher Rettungssysteme
Wer besitzt eigentlich Ihre Gesundheitsdaten und was passiert damit bei der Krankenkasse?
Schritte, Herzfrequenz, Schlafqualität, Blutsauerstoff – moderne Smartwatches sind wahre Datenkraken. Mit jedem Synchronisieren wächst ein detailliertes digitales Abbild Ihrer Gesundheit. Doch wem gehören diese Daten und was passiert damit, insbesondere wenn Sie sie für Bonusprogramme mit Ihrer Krankenkasse teilen? Diese Frage berührt den Kern der Daten-Souveränität, ein in Deutschland besonders sensibles Thema. Die gute Nachricht zuerst: Die Weitergabe Ihrer Gesundheitsdaten unterliegt strengen gesetzlichen Regelungen, insbesondere dem § 65a SGB V.
Sowohl Apple als auch Garmin betonen, dass die Hoheit über die Daten beim Nutzer liegt. Sie entscheiden in den jeweiligen Apps (Apple Health oder Garmin Connect), ob und welche Daten mit Drittanbieter-Apps – wie denen der Krankenkassen – geteilt werden. Wichtig ist hierbei: Es werden keine Rohdaten wie Ihr EKG-Verlauf oder sekundengenaue GPS-Tracks übertragen. Eine rechtliche Analyse bestätigt, dass nur aggregierte Daten wie die tägliche Schrittzahl, erreichte Aktivitätsminuten oder ein allgemeiner BMI-Wert an die Kassen-Apps weitergeleitet werden. Ihre Krankenkasse erfährt also, *dass* Sie ein Schrittziel erreicht haben, aber nicht, *wo* und *wann* Sie gelaufen sind. Dies dient lediglich dem Nachweis für das Bonusprogramm.
Trotz dieser rechtlichen Absicherung ist es unerlässlich, dass Sie die Kontrolle behalten und Ihre Freigaben regelmäßig überprüfen. Oft erteilt man bei der Ersteinrichtung einer App weitreichende Berechtigungen, die später nicht mehr notwendig sind. Ein proaktiver Umgang mit den Datenschutzeinstellungen ist der beste Weg, um die eigene Daten-Souveränität zu wahren. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Ihr Plan zur Überprüfung der Datenfreigaben
- Apple Health: Öffnen Sie die Health-App und navigieren Sie zu „Teilen“ > „Apps“. Überprüfen Sie hier für jede App, welche Lese- und Schreibrechte sie besitzt und widerrufen Sie unnötige Berechtigungen.
- Garmin Connect: Gehen Sie im Menü zu „Einstellungen“ > „Verbundene Apps“. Hier sehen Sie, welche Dienste auf Ihre Garmin-Daten zugreifen, und können die Verbindung trennen.
- Krankenkassen-Apps (Beispiele): Suchen Sie in den Einstellungen der TK- oder Barmer-App gezielt nach Menüpunkten wie „Datenschutz“, „Berechtigungen“ oder „Verbundene Geräte“ und trennen Sie dort die Verbindung zu Apple Health oder Garmin Connect, wenn nicht mehr gewünscht.
- Regelmäßige Prüfung: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, diese Einstellungen mindestens alle sechs Monate zu überprüfen, insbesondere nach App-Updates.
- Prinzip der Datensparsamkeit: Erteilen Sie neuen Apps grundsätzlich nur die Berechtigungen, die für die Kernfunktion absolut notwendig sind.
Warum ist der Ruhepuls am Morgen Ihr wichtigster Indikator für Gesundheit?
Während viele Nutzer auf ihre Schrittzahl oder verbrannte Kalorien fixiert sind, übersehen sie oft die wichtigste Metrik, die ihre Smartwatch liefert: den Ruhepuls am Morgen. Dieser Wert, idealerweise direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen gemessen, ist ein unglaublich aussagekräftiger Indikator für Ihren allgemeinen Gesundheits- und Fitnesszustand. Er spiegelt die Effizienz Ihres Herz-Kreislauf-Systems wider. Ein niedriger Ruhepuls (bei Sportlern oft zwischen 40 und 50 Schlägen pro Minute) signalisiert ein starkes, gut trainiertes Herz, das mit jedem Schlag viel Blut pumpen kann.
Viel wichtiger als der absolute Wert sind jedoch die Veränderungen im Zeitverlauf. Ein plötzlicher Anstieg Ihres durchschnittlichen Ruhepulses um 5-10 Schläge kann ein Frühwarnsignal für verschiedene Zustände sein:
- Übertraining: Wenn Sie zu hart trainiert haben und Ihr Körper nicht ausreichend regeneriert ist, arbeitet das Nervensystem auf Hochtouren, was den Ruhepuls erhöht.
- Beginnende Krankheit: Noch bevor Sie erste Symptome wie Halsschmerzen oder Fieber spüren, kämpft Ihr Immunsystem bereits gegen einen Infekt. Dieser Kampf bedeutet Stress für den Körper und lässt den Ruhepuls ansteigen.
- Stress und Schlafmangel: Psychischer Stress oder eine schlechte Nachtruhe wirken sich ebenfalls direkt auf das vegetative Nervensystem aus und können den Ruhepuls erhöhen.
Hier unterscheiden sich die Philosophien von Garmin und Apple. Garmin hat um diese Metriken ein ganzes Ökosystem an Analyse-Tools wie die „Body Battery“ oder den „Training Readiness Score“ gebaut, die diese Daten aktiv nutzen, um Trainingsempfehlungen zu geben. Apple Health erfasst den Ruhepuls ebenfalls, überlässt die Interpretation aber weitgehend dem Nutzer oder Drittanbieter-Apps. Die regelmäßige Beobachtung dieser einen Zahl gibt Ihnen ein besseres Feedback über Ihren Körper als die meisten anderen Metriken zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Pulsmessung am Handgelenk ist für ambitioniertes Intervalltraining ungeeignet; ein Brustgurt ist hier unumgänglich für präzise Daten.
- Die Akkulaufzeit ist kein Detail, sondern ein entscheidender Faktor für die Praxisrelevanz, insbesondere für Outdoor-Sport und lückenloses Gesundheitstracking.
- Ihre Gesundheitsdaten sind wertvoll. Nutzen Sie die Datenschutzeinstellungen Ihrer Apps aktiv, um die Kontrolle darüber zu behalten, wer was sieht.
Warum tragen immer mehr Hobbysportler Glukosesensoren (CGM), obwohl sie keine Diabetiker sind?
Ein neuer Trend erobert die Welt der ambitionierten Hobbysportler und Bio-Hacker: das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM). Ursprünglich für Menschen mit Diabetes entwickelt, ermöglichen diese kleinen Sensoren am Oberarm eine lückenlose Überwachung des Blutzuckerspiegels in Echtzeit. Doch warum nutzen gesunde Athleten diese Technologie? Die Antwort liegt in der Leistungsoptimierung. Durch das Tracking der Blutzuckerreaktion auf bestimmte Lebensmittel, Trainingsintensitäten und Schlaf können Sportler ihre Ernährung präzise auf ihren Stoffwechsel abstimmen. Das Ziel: Energietiefs vermeiden, die Regeneration verbessern und die Energiebereitstellung während langer Belastungen optimieren.
Der Einstieg ist einfacher als gedacht. Systeme wie der FreeStyle Libre von Abbott sind in Deutschland auch ohne Rezept erhältlich. Die Kosten für einen CGM-Sensor liegen bei etwa 60€ für eine Nutzungsdauer von 14 Tagen. Die Daten werden per NFC oder Bluetooth an eine Smartphone-App übertragen. Die wahre Magie für Sportler entfaltet sich jedoch erst in der Integration mit der Smartwatch. Hier zeigt sich erneut ein klarer Vorteil für das Garmin-Ökosystem. Garmin ermöglicht es, CGM-Daten als natives Datenfeld direkt auf dem Display der Uhr während einer Aktivität anzuzeigen. Der Athlet kann so live sehen, wie sein Blutzucker auf ein Energie-Gel oder einen Anstieg reagiert.
Bei der Apple Watch ist die Integration umständlicher und funktioniert nur über Drittanbieter-Apps, die die Daten mit einer gewissen Verzögerung auf dem Display anzeigen. Für Athleten, die ihre Leistung auf das nächste Level heben wollen, ist die nahtlose Echtzeit-Integration ein entscheidender Vorteil.
| Smartwatch | CGM-Integration | Live-Anzeige |
|---|---|---|
| Garmin | Natives Datenfeld möglich | Direkt während Sport |
| Apple Watch | Nur über Drittanbieter-Apps | Mit Verzögerung |
Diese Entwicklung zeigt, dass die Zukunft des Self-Trackings weit über Schritte und Kalorien hinausgeht. Es geht um ein tiefes, datengestütztes Verständnis des eigenen Körpers. Die Entscheidung für eine Smartwatch ist somit auch eine Entscheidung darüber, wie tief man in diese Welt der personalisierten Leistungsoptimierung eintauchen möchte.
Am Ende dieses tiefen Einblicks wird klar: Die perfekte Smartwatch gibt es nicht. Die Entscheidung zwischen Apple und Garmin ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern eine Abwägung Ihrer ganz persönlichen Prioritäten. Bewerten Sie auf Basis dieser kritischen Analyse, welche Technologie Sie wirklich unterstützt und welche nur ein teures Gimmick für Ihr Handgelenk wäre.
Häufige Fragen zur Smartwatch-Technologie
Kann eine Smartwatch eine medizinische Diagnose stellen?
Nein, weder eine Apple Watch noch eine Garmin-Uhr können eine rechtsgültige medizinische Diagnose wie Schlafapnoe stellen. Features wie die EKG-Funktion sind zwar oft zertifiziert und können wertvolle Hinweise (z.B. auf Vorhofflimmern) geben, aber sie ersetzen niemals die Untersuchung durch einen Arzt. Alle anderen Messungen, insbesondere die zur Schlafapnoe, sind als Indikatoren zu verstehen.
Was sollte ich tun, wenn meine Uhr auffällige Werte anzeigt?
Bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie voreilige Selbstdiagnosen. Betrachten Sie die Daten als das, was sie sind: ein Hinweis. Sprechen Sie bei wiederholt auffälligen Werten (z.B. konstant hoher Ruhepuls, nächtliche SpO2-Abfälle) mit Ihrem Hausarzt. Er kann die Daten einordnen und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt oder ein Schlaflabor überweisen.
Wie unterscheidet sich die Schlafmessung der Uhr von einem Schlaflabor?
Der Unterschied ist fundamental. Eine Smartwatch misst lediglich Bewegung, Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität und eventuell die Blutsauerstoffsättigung, um daraus Schlafphasen zu schätzen. Ein Schlaflabor führt eine umfassende Polysomnographie durch, bei der zusätzlich Hirnströme (EEG), Augenbewegungen (EOG), Muskelspannung (EMG) und der tatsächliche Atemfluss gemessen werden. Nur so ist eine klinische Diagnose von Schlafstörungen möglich.