
Die Explosion der Ablösesummen hat weniger mit reiner Gier zu tun, als vielmehr mit einem perfektionierten System aus strategischer Knappheit, juristischen Hebeln und globalem Talent-Poker.
- Clever verhandelte Ausstiegsklauseln und der Druck des Transferfensters geben Beratern und Spielern eine enorme Verhandlungsmacht.
- Die 50+1-Regel schützt deutsche Vereine vor reinen Investoren, macht sie aber im internationalen Wettbewerb oft zu Verkäufern.
Empfehlung: Verstehen Sie den Transfermarkt nicht als reinen Handel, sondern als ein komplexes Ökosystem, in dem finanzielle Risiken, sportliche Notwendigkeiten und regulatorische Leitplanken ein ständiges Tauziehen veranstalten.
Sie schalten den Sport-Ticker ein und sehen es schon wieder: Ein Spieler, kaum 20 Jahre alt, wechselt für 80, 100 oder gar 150 Millionen Euro den Verein. In einer Welt, die von einer wirtschaftlichen Krise zur nächsten taumelt, wirkt der Fußball-Transfermarkt wie ein Paralleluniversum, das nach eigenen, irrationalen Gesetzen funktioniert. Die üblichen Erklärungen kennen Sie: gierige Berater, neureiche Clubs aus England und milliardenschwere TV-Verträge. Das ist zwar nicht falsch, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Es kratzt nur an der Oberfläche eines hochkomplexen Systems.
Glauben Sie mir, ich bin in diesem Geschäft. Die wahren Gründe für die Preisexplosion liegen tiefer, in den unsichtbaren Mechanismen, die das Spiel hinter dem Spiel bestimmen. Es ist ein perfekter Sturm aus strategischer Hebelwirkung durch Vertragsklauseln, dem kalkulierten Risiko von Leihgeschäften, datengetriebenem Scouting, das einen globalen Poker um Talente entfacht, und dem psychologischen Druck der letzten Stunden des Transferfensters. In diesem Gefüge agieren die deutschen Vereine zudem unter einzigartigen Bedingungen, die durch die DFL und die 50+1-Regel geschaffen werden.
Vergessen Sie also für einen Moment die Schlagzeilen. Dieser Artikel nimmt Sie mit hinter die Kulissen des Transfer-Ökosystems. Ich zeige Ihnen die Spielregeln, die nicht im Kicker stehen, und erkläre, warum Vereine oft bereit sind, Summen zu zahlen, die für Außenstehende wie reiner Wahnsinn aussehen. Es ist kein Chaos, sondern eine knallharte Logik – man muss sie nur verstehen.
Um diese komplexen Zusammenhänge zu beleuchten, werden wir die entscheidenden Faktoren Schritt für Schritt analysieren. Von den Verhandlungstricks der Berater bis hin zu den einzigartigen finanziellen Leitplanken der Bundesliga – dieses Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die entscheidenden Stellschrauben des modernen Transfermarkts.
Inhaltsverzeichnis: Der Transfermarkt-Code: Was hinter den Millionen-Deals steckt
- Wie verhandeln Berater Ausstiegsklauseln, die Vereine machtlos zurücklassen?
- Kaufen oder Leihen: Wann ist ein Leihgeschäft für einen Club die klügere Strategie?
- Der Flop-Faktor: Warum scheitern 50% der teuren Stürmer im ersten Jahr bei neuen Clubs?
- Wie entdecken Top-Clubs Talente in Südamerika, bevor sie teuer werden?
- Warum finden die verrücktesten Wechsel immer erst in den letzten Stunden des Transferfensters statt?
- Wie verhindert die DFL, dass Vereine trotz Millionenumsätzen pleitegehen?
- Wie finden Sie Sponsoren, die wirklich zu Ihren Werten passen, statt wahllos Rabattcodes zu posten?
- Wie funktioniert die 50+1-Regel und warum macht sie die Bundesliga weltweit einzigartig?
Wie verhandeln Berater Ausstiegsklauseln, die Vereine machtlos zurücklassen?
Alles beginnt mit einem Stück Papier: dem Spielervertrag. Für Fans ist er die Bestätigung eines Wechsels, für uns Berater ist er ein Arsenal an strategischen Hebeln. Der mächtigste dieser Hebel ist die Ausstiegsklausel. Entgegen der landläufigen Meinung wird sie nicht einfach nur als Preisschild festgelegt. Ihre Aushandlung ist ein psychologisches Meisterstück. Wir argumentieren, dass eine „faire“ Klausel dem Spieler eine Perspektive gibt und ihn motiviert, während sie dem Verein eine garantierte Einnahme sichert. In Wahrheit ist sie eine eingebaute Sollbruchstelle im Vertrag, die es uns ermöglicht, die Kontrolle über den nächsten Karriereschritt zu behalten.
Der Trick liegt in der Höhe und den Bedingungen. Eine zu hohe Klausel ist wertlos. Eine geschickt angesetzte Klausel – knapp über dem aktuellen Marktwert, aber deutlich unter dem potenziellen zukünftigen Wert – schafft eine unwiderstehliche Situation. Sobald ein reicherer Club bereit ist, diese Summe zu zahlen, ist der abgebende Verein komplett machtlos. Er kann nicht nachverhandeln, er kann den Spieler nicht zum Bleiben überreden. Er kann nur zusehen, wie sein Star geht. Das Paradebeispiel war der Wechsel von Kai Havertz, der für 80 Millionen Euro zu Chelsea wechselte; eine Summe, die durch solche Mechanismen erst möglich wurde.
Diese vertragliche Machtdemonstration ist ein zentraler Motor der Preisspirale. Sie schafft eine künstliche Nachfrage und zwingt Vereine, die einen Spieler unbedingt halten wollen, ihm einen neuen, deutlich höher dotierten Vertrag ohne oder mit einer astronomischen Klausel anzubieten. Das treibt die Gehälter und damit indirekt auch die Erwartungen an zukünftige Ablösesummen in die Höhe. Wie ein Ökonomieprofessor treffend bemerkte, ist der Fußball ein „extrem stabiles Gebilde“, das selbst von externen Krisen unberührt scheint, weil seine interne Logik der Wertsteigerung ungebrochen ist.
Kaufen oder Leihen: Wann ist ein Leihgeschäft für einen Club die klügere Strategie?
Angesichts der explodierenden Preise und des Risikos eines Flops stehen Sportdirektoren vor einer permanenten strategischen Frage: All-in gehen und kaufen oder das Risiko mit einem Leihgeschäft minimieren? Die Antwort ist komplexer als eine einfache Budgetfrage. Ein Leihgeschäft ist oft die mit Abstand klügere Strategie, insbesondere für Clubs, die nicht über die unbegrenzten Mittel der Premier-League-Spitze verfügen. Es ist ein Instrument zur Risikominimierung und zur Wahrung der finanziellen Flexibilität.
Stellen Sie sich vor, ein Club braucht dringend einen Stürmer, hat aber Zweifel, ob der Wunschkandidat aus einer anderen Liga sich an die Intensität der Bundesliga anpassen kann. Ein Direktkauf für 50 Millionen Euro wäre ein enormes Wagnis. Scheitert der Spieler, ist das Geld verbrannt. Eine Leihe, oft mit Kaufoption, löst dieses Dilemma. Der Club zahlt nur das Gehalt für ein Jahr, testet den Spieler unter realen Bedingungen und kann am Ende entscheiden, ob er die Option zieht. Es ist quasi ein „Try before you buy“-Modell, das im modernen Fußball überlebenswichtig geworden ist.

Dieses Vorgehen hat auch einen entscheidenden Vorteil für die Lizenzierung durch die DFL. Da die Liquidität nicht durch eine riesige Ablösesumme sofort belastet wird, lässt sich der Finanzplan für die Saison leichter aufstellen. Die folgende Tabelle fasst die strategischen Unterschiede zusammen und zeigt, warum die Leihe oft mehr als nur eine Notlösung ist, wie eine Analyse der Bundesliga-Transferströme belegt.
| Kriterium | Leihgeschäft | Direktkauf |
|---|---|---|
| Liquiditätsbelastung | Gering (nur Gehalt) | Hoch (Ablöse + Gehalt) |
| Risiko | Minimal | Maximal |
| Planungssicherheit | Befristet | Langfristig |
| DFL-Lizenzierung | Vorteilhaft | Herausfordernd |
Der Flop-Faktor: Warum scheitern 50% der teuren Stürmer im ersten Jahr bei neuen Clubs?
Der „Flop-Faktor“ ist die größte Angst jedes Sportdirektors und die geheime Triebfeder hinter strategischen Entscheidungen wie Leihgeschäften. Warum floppt ein Stürmer, der in einer Liga 30 Tore geschossen hat, bei seinem neuen Club und trifft kaum noch das leere Tor? Die 50-Millionen-Euro-Frage ist selten auf mangelndes Talent zurückzuführen. Die Gründe sind fast immer menschlich und systemisch. Ein Spieler ist keine Maschine, die man einfach verpflanzt und die gleiche Leistung erwartet. Er ist Teil eines fragilen Ökosystems aus Taktik, Kultur und persönlichem Umfeld.
Der häufigste Grund ist die taktische Inkompatibilität. Ein Konterstürmer, der bei seinem alten Verein auf riesige freie Flächen geschickt wurde, findet sich plötzlich in einem Team wieder, das gegen tiefstehende Gegner anspielt und auf engstem Raum kombinieren muss. Sein gesamtes Skillset ist plötzlich nutzlos. Dazu kommt der immense mediale Druck des Preisschilds. Jeder Fehlschuss wird unter dem Brennglas der 80-Millionen-Ablöse seziert. Viele Spieler zerbrechen daran. Auch Sprachbarrieren und die fehlende soziale Integration der Familie sind oft unterschätzte, aber entscheidende Faktoren, die die Leistung auf dem Platz direkt beeinflussen.
Dieses immense Risiko erklärt, warum die Preise weiter steigen. Vereine zahlen nicht nur für bewiesene Qualität, sondern auch eine „Risikoprämie“. Sie wissen, dass die Chance auf einen Flop real ist. Die wenigen Spieler, bei denen man sich sicher ist, dass sie in jedem System und unter jedem Druck funktionieren – die Mbappés, Haalands oder Bellinghams dieser Welt –, werden dadurch unbezahlbar. Sie sind die sichere Wette in einem Casino, in dem sonst alles auf Rot oder Schwarz gesetzt wird. Das treibt das gesamte Preisgefüge nach oben, obwohl das Transfergeschäft insgesamt ein Nullsummenspiel zu sein scheint.
Checkliste zur Analyse potenzieller Transfer-Flops
- Taktische Systeminkompatibilität: Analysieren Sie die taktischen Systeme des alten und neuen Vereins. Passt der Spieler wirklich in die neue Spielphilosophie?
- Medialer Druck des Preisschilds: Inventarisieren Sie die Medienerwartungen. Gibt es einen Plan, den Spieler vor dem Druck des Preisschilds zu schützen?
- Kulturelle und sprachliche Integration: Konfrontieren Sie die Herkunft des Spielers mit dem neuen Umfeld. Ist proaktive Unterstützung bei Sprache und kultureller Anpassung geplant?
- Physische Anpassung: Repräsentiert die bisherige Liga die gleiche physische Intensität wie die Bundesliga? Ist eine Anpassungsphase eingeplant?
- Familiäre Integration: Ist das Umfeld der Familie (Schule, Wohnort) als kritischer Erfolgsfaktor im Integrationsplan berücksichtigt?
Wie entdecken Top-Clubs Talente in Südamerika, bevor sie teuer werden?
Die Antwort auf explodierende Preise ist, Spieler zu finden, bevor sie teuer werden. Südamerika ist seit jeher der Goldgräber-Markt schlechthin. Doch die Zeiten, in denen ein einzelner Scout mit Zigarre am Spielfeldrand ein Jahrhunderttalent entdeckt, sind vorbei. Heute ist Scouting ein hochtechnologischer, datengetriebener Prozess. Die Top-Clubs unterhalten riesige Netzwerke aus menschlichen Scouts, die durch Big-Data-Analysen und künstliche Intelligenz unterstützt werden. Das Ziel: den nächsten Neymar oder Vinícius Júnior zu identifizieren, wenn er noch für einen Bruchteil seines späteren Wertes zu haben ist.
Moderne Scouting-Abteilungen nutzen Plattformen, die Millionen von Datenpunkten aus U17- und U19-Ligen in Brasilien, Argentinien oder Kolumbien analysieren. Es geht nicht mehr nur um Tore und Vorlagen. Algorithmen bewerten die Effizienz von Dribblings gegen verschiedene Verteidigertypen, die Passgenauigkeit unter Druck oder die Laufwege ohne Ball. Diese Daten werden dann mit dem Anforderungsprofil des eigenen Clubs abgeglichen. Passt der Spielstil des Talents zur Philosophie des Trainers? Kann er eine spezifische Lücke im Kader füllen? Es ist ein Versuch, die Unsicherheit des „Flop-Faktors“ durch knallharte Daten zu minimieren.

Diese technologische Revolution im Scouting wird von spezialisierten Firmen vorangetrieben. Wie Experten von Fußballnationalmannschaft.net in einer Analyse erklären, geht es weit über simple Statistiken hinaus:
Anders als das klassische Moneyball-Konzept, das auf historischen Daten beruht, nutzt die KI von Plaier dynamische Modelle, um zukünftige Leistungen vorherzusagen. So kann analysiert werden, gegen welchen Gegenspieler ein Spieler besonders effektiv wäre. 31 Positionen, 140 Parameter pro Position, Millionen von Datenpunkten pro Spieltag – die Tiefe der Analyse ist bislang einzigartig.
– Fußballnationalmannschaft.net, Künstliche Intelligenz im Fußball
Ironischerweise trägt dieser „Run auf die Daten“ selbst zur Preisexplosion bei. Sobald mehrere Top-Clubs durch ihre Algorithmen dasselbe Talent identifizieren, beginnt ein Wettbieten, das den Preis schon in die Höhe treibt, bevor der Spieler überhaupt einen Fuß auf europäischen Boden gesetzt hat.
Warum finden die verrücktesten Wechsel immer erst in den letzten Stunden des Transferfensters statt?
Der „Deadline Day“ ist das große Finale des Transfer-Dramas. Für Fans ist es pures Entertainment, für Vereine und Berater ist es ein hochriskanter Poker. Die Tatsache, dass die teuersten und überraschendsten Deals oft in den letzten Stunden über die Bühne gehen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Mischung aus strategischem Zögern und purer Panik. Es ist der ultimative Ausdruck des Werts der Unsicherheit. Alle Parteien warten bis zum letzten Moment, in der Hoffnung, ihre Verhandlungsposition zu maximieren.
Ein abgebender Verein, der einen Spieler nicht unbedingt verkaufen muss, zögert, um den Preis hochzutreiben. Er spekuliert darauf, dass der kaufende Verein unter Druck gerät, weil er eine Lücke im Kader schließen muss. Der kaufende Verein wiederum zögert, um zu signalisieren, dass er nicht bereit ist, jeden Preis zu zahlen. Und wir Berater? Wir jonglieren mit mehreren Angeboten, spielen Vereine gegeneinander aus und warten auf den Dominoeffekt: Sobald ein großer Transfer platzt, wird bei einem anderen Club plötzlich Budget frei und eine neue Tür öffnet sich.
Diese Dynamik wird massiv durch den externen Druck befeuert, insbesondere aus England. Die englische Premier League, die bis September 2024 rekordverdächtige 2,33 Milliarden Euro investierte, setzt den Maßstab. Deutsche oder italienische Clubs wissen, dass ein englischer Verein in Panik fast jeden Preis zahlen kann. In den letzten Stunden des Transferfensters weichen die rationalen Kalkulationen der puren Notwendigkeit. Ein Sportdirektor, der seinen Job riskiert, wenn er keinen neuen Verteidiger holt, ist eher bereit, 10 Millionen mehr zu zahlen als noch eine Woche zuvor. Dieser Panik-Zuschlag ist ein fester Bestandteil des Transfer-Ökosystems.
Wie verhindert die DFL, dass Vereine trotz Millionenumsätzen pleitegehen?
Während in England und Spanien Vereine mit teils hunderten Millionen Euro verschuldet sind, wirkt die Bundesliga wie ein Hort der Stabilität. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der strengen „finanziellen Leitplanken“ der Deutschen Fußball Liga (DFL). Das Lizenzierungsverfahren der DFL ist eines der härtesten in Europa und der Hauptgrund, warum deutsche Vereine im Vergleich wirtschaftlich so gesund dastehen. Die DFL agiert wie ein strenger, aber fairer Bankberater, der verhindert, dass ein Club über seine Verhältnisse lebt.
Vor jeder Saison muss jeder Verein der DFL seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Dabei geht es nicht nur um die Bilanz des letzten Jahres. Die Clubs müssen einen detaillierten Liquiditätsplan für die kommende Saison vorlegen. Sie müssen beweisen, dass sie jederzeit in der Lage sind, ihre Rechnungen – vor allem die Spielergehälter – zu bezahlen. Ein Verein, der einen 80-Millionen-Transfer plant, aber nicht nachweisen kann, wie er diesen finanziert, ohne die laufenden Kosten zu gefährden, bekommt schlicht keine Lizenz. Diese Kontrolle zwingt die Vereine zu einer nachhaltigeren Planung und verhindert den Schulden-Wahnsinn, den man in anderen Ligen sieht.
Diese wirtschaftliche Vernunft wird von Schlüsselfiguren des deutschen Fußballs immer wieder angemahnt. So riet Uli Hoeneß den deutschen Vereinen eindringlich, nicht jeden Wahnsinn mitzumachen:
Wir im deutschen Fußball müssen einen eigenen Weg gehen. Ich bitte alle hier im Raum, das Geld, das alles verdirbt, niemals anzunehmen.
– Uli Hoeneß
Diese Stabilität hat jedoch auch eine Kehrseite: Sie begrenzt die finanzielle Risikobereitschaft. Während andere Ligen ihre Einnahmen aus zukünftigen TV-Deals bereits heute für Transfers verpfänden, müssen deutsche Clubs solider wirtschaften. Das macht es schwieriger, im internationalen Wettbieten um die absoluten Top-Stars mitzuhalten. Die DFL sichert das Überleben, aber dämpft gleichzeitig die maximale Wettbewerbsfähigkeit an der absoluten Spitze.
Wie finden Sie Sponsoren, die wirklich zu Ihren Werten passen, statt wahllos Rabattcodes zu posten?
Um die gewaltigen Ablösesummen und Gehälter überhaupt stemmen zu können, sind die Vereine auf massive Einnahmen aus dem Sponsoring angewiesen. Doch die Zeiten, in denen ein lokaler Brauer sein Logo auf das Trikot drucken ließ, sind längst vorbei. Modernes Sponsoring ist eine Wissenschaft für sich und ein entscheidender Baustein im Finanzierungs-Mix, der das Transfer-Ökosystem am Laufen hält. Es geht nicht mehr nur um Sichtbarkeit, sondern um strategische Wertepartnerschaften.
Professionelle Vereine suchen heute gezielt nach Sponsoren, deren Markenimage und Zielgruppe zum eigenen Club passen. Ein Verein, der für seine Jugendarbeit und lokale Verwurzelung bekannt ist, wird eher eine regionale Sparkasse als einen globalen Wettanbieter als Partner wählen. Warum? Weil Authentizität für die Fans immer wichtiger wird. Ein Sponsor, der als unpassend empfunden wird, kann zu einem massiven Imageschaden führen, der die Einnahmen am Ende sogar schmälert. Die Clubs analysieren daher sehr genau, welche Werte ihre Fans mit dem Verein verbinden und suchen nach einer entsprechenden „Marken-DNA“ beim Sponsor.
Darüber hinaus geht es um die Monetarisierung neuer Flächen. Der Trikotärmel, die Trainingskleidung oder digitale Werbebanden, die je nach Übertragungsland unterschiedlich aussehen, sind zu wertvollen Werbeflächen geworden. Ein weiterer Trend sind strategische Partnerschaften, die über reines Geldsponsoring hinausgehen. Ein Technologieunternehmen könnte beispielsweise sein Know-how in Datenanalyse einbringen, um die sportliche Leistung zu verbessern, und im Gegenzug von der globalen Marke des Vereins profitieren. Diese tiefen, mehrschichtigen Partnerschaften schaffen nachhaltigere Einnahmequellen als kurzfristige Deals und sind die Grundlage dafür, dass Vereine überhaupt auf dem Transfermarkt agieren können.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Preisexplosion wird durch interne Mechanismen wie Ausstiegsklauseln und den Poker am Deadline Day angetrieben, die Vereine unter Druck setzen.
- Die Bundesliga operiert unter den einzigartigen finanziellen Leitplanken der DFL und der 50+1-Regel, was zu wirtschaftlicher Stabilität, aber geringerer internationaler Kaufkraft führt.
- Strategien wie Leihgeschäfte zur Risikominimierung und datengetriebenes Scouting sind die Antwort der Clubs auf das immense finanzielle Risiko des „Flop-Faktors“.
Wie funktioniert die 50+1-Regel und warum macht sie die Bundesliga weltweit einzigartig?
Die 50+1-Regel ist das Herzstück des deutschen Fußballmodells und der Hauptgrund, warum sich die Bundesliga fundamental von den anderen Top-Ligen unterscheidet. Vereinfacht gesagt, besagt die Regel, dass der Stammverein immer die Stimmenmehrheit in der Kapitalgesellschaft halten muss, in die die Profimannschaft ausgegliedert ist. Ein externer Investor kann also niemals die komplette Kontrolle über einen Club übernehmen. Er kann Anteile kaufen, aber die letzte Entscheidungsgewalt verbleibt immer beim Verein und seinen Mitgliedern.
Diese Regel ist eine bewusste Entscheidung für die Fankultur und gegen den reinen Kapitalismus. Sie verhindert, dass deutsche Vereine zu Spielzeugen von Milliardären oder Staatsfonds werden, wie es in England oder Frankreich der Fall ist. Das sichert die Identität und Stabilität der Clubs, hat aber einen hohen Preis im internationalen Wettbewerb. Da Investoren keine volle Kontrolle erlangen können, sind sie weniger bereit, hunderte Millionen Euro in einen Club zu pumpen. Das Ergebnis ist eine deutliche finanzielle Kluft: Wie eine aktuelle Marktanalyse zeigt, verzeichnete der deutsche Profifußball mit 724,9 Millionen US-Dollar die mit Abstand niedrigsten Transferausgaben unter den Top-5-Ligen.
Diese finanzielle Diskrepanz zwingt die Bundesliga-Vereine, ein anderes Geschäftsmodell zu verfolgen: Sie müssen zu Ausbildungs- und Verkaufsclubs werden. Borussia Dortmund ist hierfür das beste Beispiel. Der BVB perfektioniert das Modell, Toptalente früh zu entdecken, sie auf höchstem Niveau zu entwickeln und dann für immense Summen zu verkaufen. Der Verkauf von Jude Bellingham für über 100 Millionen Euro ist kein Betriebsunfall, sondern die logische Konsequenz der 50+1-Regel. Der BVB nahm allein durch Spielerverkäufe in der Saison 2023/2024 rund 113 Millionen Euro ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Regel macht die Bundesliga einzigartig, zementiert aber auch ihre Rolle als talentierter, aber oft unterlegener Herausforderer im europäischen Konzert der Superreichen.
Häufige Fragen zu Finanzen und Transfers im deutschen Fußball
Wie hoch waren die Transferausgaben der 2. Bundesliga zuletzt?
In der Saison 2022/2023 investierten die Clubs der 2. Fußball-Bundesliga eine Gesamtsumme von 49,2 Millionen Euro in Spielertransfers. Das zeigt, dass auch eine Etage tiefer erhebliche Summen bewegt werden, auch wenn sie nicht mit der ersten Liga vergleichbar sind.
Wie entwickelten sich die Transfereinnahmen der Bundesliga?
Die Bundesliga ist zunehmend eine „Verkäuferliga“. In der Saison 2023/2024 standen bis Februar 2024 Transferausgaben von rund 833 Millionen Euro Einnahmen durch Spielerverkäufe von über einer Milliarde Euro gegenüber. Dies unterstreicht das Geschäftsmodell, Talente zu entwickeln und gewinnbringend zu transferieren.
Welche wirtschaftlichen Kontrollen wendet die DFL an?
Der Kern der DFL-Kontrolle ist die Prävention. Jeder Club muss vor der Saison seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch detaillierte Liquiditätspläne und positive Fortführungsprognosen nachweisen. Kann ein Club nicht glaubhaft darlegen, dass er die Saison finanziell übersteht, wird die Lizenz verweigert.