Veröffentlicht am März 11, 2024

Zusammenfassend:

  • Intuitives Training führt fast immer zur Stagnation, weil ihm eine systemische Struktur fehlt.
  • Nachhaltiger Fortschritt basiert nicht auf Motivation, sondern auf einer wissenschaftlich fundierten Trainingsarchitektur.
  • Die gezielte Planung von Belastung, Variation und Regeneration ist der Schlüssel, um Plateaus zu durchbrechen.
  • Selbst bei massivem Zeitmangel ermöglichen Prinzipien wie die „Minimum Effective Dose“ hocheffektive Einheiten.

Sie kennen das Gefühl: Die ersten Wochen im Fitnessstudio oder auf der Laufstrecke sind euphorisch. Die Motivation ist hoch, erste Erfolge stellen sich ein. Doch nach etwa drei Monaten scheint eine unsichtbare Wand erreicht. Die Gewichte steigern sich nicht mehr, die Rundenzeiten stagnieren, und der Blick in den Spiegel verrät kaum noch Veränderung. Frustration macht sich breit. Viele greifen dann zu den üblichen Ratschlägen: „einfach härter trainieren“, „die Ernährung umstellen“ oder „mal was anderes ausprobieren“. Diese gut gemeinten, aber unspezifischen Ansätze führen jedoch selten aus der Sackgasse. Sie behandeln Symptome, nicht die Ursache.

Die Wahrheit ist, dass der Körper ein hocheffizientes Anpassungssystem ist. Er reagiert auf Reize, aber nur, solange diese ihn herausfordern. Ein planloses „Drauflos-Training“ liefert ihm nach kurzer Zeit keine neuen, verständlichen Signale mehr, an die er sich anpassen müsste. Aber was, wenn der wahre Schlüssel nicht in mehr Anstrengung, sondern in intelligenterer Steuerung liegt? Was, wenn Ihr Training weniger einem emotionalen Impuls und mehr einer präzisen Ingenieursleistung gleichen sollte?

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des erfolgreichen Bauchgefühl-Sportlers. Wir führen Sie in die Denkweise eines Trainingswissenschaftlers ein und bauen gemeinsam eine systematische Trainingsarchitektur auf. Sie lernen, warum Ihr Körper stagniert, wie Sie ihn mit gezielten Reizen wieder auf Kurs bringen und wie Sie einen Plan erstellen, der nicht nur effektiv, sondern auch mit einem vollen Terminkalender und dem echten Leben vereinbar ist. Es geht darum, das Training vom Zufall zu befreien und es in ein verlässliches System für Ihren Erfolg zu verwandeln.

Um Ihnen eine klare Struktur für diesen systematischen Ansatz zu geben, gliedert sich der Artikel in logische Bausteine. Jeder Abschnitt liefert Ihnen ein weiteres Puzzleteil für Ihre persönliche, unaufhaltsame Trainingsarchitektur.

Warum der immer gleiche Trainingsplan Ihren Körper immun gegen Fortschritte macht

Der menschliche Körper ist ein Meister der Effizienz. Wenn Sie ihn wiederholt demselben Reiz aussetzen – sei es der 3-Sätze-à-10-Wiederholungen-Plan oder die ewig gleiche 5-km-Laufrunde im gleichen Tempo –, lernt er, diese Aufgabe mit minimalem Energieaufwand zu bewältigen. Dieses Phänomen nennt man Adaptionsresistenz. Ihr Körper wird buchstäblich immun gegen Ihr Training. Der anfängliche Reiz, der zu Muskelwachstum oder Ausdauerverbesserung geführt hat, wird zu einem leichten Hintergrundrauschen, das keine weitere Anpassung mehr provoziert. Der Fortschritt stoppt, obwohl Sie weiterhin fleißig trainieren.

Die Lösung ist das Prinzip der progressiven Überlastung (Progressive Overload). Dies bedeutet, den Trainingsreiz systematisch und geplant zu steigern. Doch hier liegt der häufigste Fehler: Die meisten Athleten denken nur an eine Variable – mehr Gewicht. Dabei gibt es mindestens fünf Stellschrauben für eine systemische Progression: Volumen (mehr Sätze/Wiederholungen), Intensität (mehr Gewicht/höheres Tempo), Frequenz (häufiger trainieren), Dichte (weniger Pausenzeit) und Komplexität (schwierigere Übungen). Eine Analyse deutscher Trainingspläne zeigt, dass nur 15% der Trainierenden alle fünf Progressionsvariablen systematisch nutzen.

Die Blockperiodisierung fokussiert sich auf kurze, intensive Trainingsphasen mit spezifischen Zielen, während die traditionelle Periodisierung auf längere, zyklische Trainingseinheiten setzt.

– StudySmarter Sportmedizin, Periodisierung: Training & Definition, 2024

Statt also willkürlich Übungen auszutauschen, erfordert eine erfolgreiche Trainingsarchitektur eine geplante Variation. Modelle wie die lineare oder die Blockperiodisierung bieten hierfür einen wissenschaftlich fundierten Rahmen. Sie sorgen dafür, dass der Körper kontinuierlich neue, ausreichend starke Reize erhält, die ihn zwingen, sich weiter anzupassen und stärker zu werden. Ein starrer Plan ist somit kein Zeichen von Disziplin, sondern eine Garantie für Stagnation.

Das Plateau-Risiko: Warum Ihr Training seit 3 Monaten keine sichtbaren Ergebnisse mehr liefert

Ein Plateau ist nicht nur ein Gefühl, sondern ein messbares biologisches Phänomen. Es tritt ein, wenn die Balance zwischen Trainingsreiz und Regeneration gestört ist. Oft ist die Ursache nicht zu wenig, sondern zu viel oder zu monotones Training ohne geplante Erholungsphasen. Der Körper schaltet in einen Schutzmodus, um eine Überlastung zu verhindern. Dies kann sich auf unterschiedliche Weisen äußern: als Leistungsstagnation, als „stilles Plateau“ bei der Körperrekomposition oder sogar als beginnendes Übertraining mit Symptomen wie Schlafstörungen und Reizbarkeit.

Der entscheidende Schritt ist die richtige Diagnose: Handelt es sich um ein adaptives Plateau, bei dem der Körper schlicht einen neuen Reiz benötigt, oder um ein Übertrainings-Plateau, das nach Regeneration verlangt? Im ersten Fall ist eine Anpassung der Trainingsvariablen (siehe progressive Überlastung) die Lösung. Im zweiten Fall ist eine strategische Pause, eine sogenannte Deload-Woche, der wirksamste Weg, um die Barriere zu durchbrechen. In dieser Woche wird das Trainingsvolumen und die Intensität bewusst um 40-50 % reduziert, um dem neuromuskulären und hormonellen System Zeit zur vollständigen Erholung zu geben.

Dieser bewusste Schritt zurück ist oft der größte Sprung nach vorn. Er ermöglicht die sogenannte Superkompensation, bei der der Körper sich nicht nur auf das Ausgangsniveau erholt, sondern seine Leistungsfähigkeit darüber hinaus steigert. Trainingswissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass 92% der Athleten ihr Plateau nach einer korrekt durchgeführten, strukturierten Deload-Woche erfolgreich durchbrechen. Das intuitive „Augen zu und durch“ verschlimmert das Problem meist nur, während ein systematischer, geplanter Rückzug den Weg für neue Höchstleistungen ebnet.

Wie planen Sie Zyklen von Belastung und Entlastung, um das ganze Jahr fit zu bleiben?

Ganzjährige Fitness ist kein Produkt des Zufalls, sondern das Ergebnis einer übergeordneten Trainingsarchitektur, die als Periodisierung bekannt ist. Anstatt von Woche zu Woche zu denken, teilt dieser Ansatz das Trainingsjahr in logische Phasen (Makrozyklen) auf, die jeweils einem spezifischen Ziel dienen. Dieser Ansatz verhindert nicht nur Plateaus, sondern steuert gezielt die Form zu wichtigen Wettkämpfen oder persönlichen Zielen hin und stellt sicher, dass der Körper die notwendige Regeneration erhält. Studien zur Trainingsperiodisierung im deutschen Leistungssport zeigen, dass rund 85% der erfolgreichen Athleten strukturierte Pläne mit 3-4 Makrozyklen pro Jahr nutzen, um ihre Leistung zu optimieren.

Ein typischer Jahresplan für einen Hobbysportler in Deutschland könnte wie folgt aussehen, aufgeteilt in vier Phasen, die sich an den Jahreszeiten und typischen Wettkampfperioden orientieren:

  • Phase 1 (Januar-März): Grundlagenaufbau. Hier liegt der Fokus auf hohem Volumen bei niedriger Intensität (z.B. langes, langsames Ausdauertraining im GA1-Bereich), um die aerobe Basis und die Belastungsverträglichkeit zu schaffen.
  • Phase 2 (April-Juni): Intensivierung. Das Volumen wird leicht reduziert, während die Intensität progressiv ansteigt. Spezifische Einheiten bereiten auf die bevorstehende Wettkampfsaison im Sommer vor.
  • Phase 3 (Juli-September): Wettkampfphase. Das Training ist hochspezifisch mit kurzen, hochintensiven Einheiten und ausreichend aktiver Erholung, um die Spitzenform zu halten (Tapering).
  • Phase 4 (Oktober-Dezember): Regenerationsphase. Dies ist die „Off-Season“, in der das Volumen und die Intensität stark reduziert werden. Alternative Sportarten stehen im Vordergrund, um den Körper und Geist zu erholen und neue Motivation für den nächsten Zyklus zu schöpfen.

Diese zyklische Planung ist das Gegenteil von monotonem Training. Sie sorgt für Abwechslung, setzt immer wieder neue Reize und respektiert die biologische Notwendigkeit von Erholung. Sie ist das Fundament, auf dem jede erfolgreiche und langfristige sportliche Entwicklung aufbaut.

Wie strukturieren Sie eine perfekte Trainingswoche mit Arbeit, Familie und Regeneration?

Die beste Jahresplanung ist nutzlos, wenn sie nicht in den realen Alltag passt. Der Mikrozyklus, also die Wochenplanung, ist die Brücke zwischen der großen Strategie und der täglichen Umsetzung. Eine „perfekte“ Woche gibt es dabei nicht – es gibt nur die Woche, die perfekt zu Ihrem Leben passt. Der Schlüssel liegt in der Identifikation von Archetypen und der Anwendung flexibler Konzepte wie dem „Anker-Workout“.

Zunächst gilt es zu analysieren, welcher Trainingstyp Sie sind. Die folgende Tabelle skizziert drei gängige Archetypen im deutschen Alltag, die als Vorlage für Ihre eigene Planung dienen können. Sie zeigt, wie unterschiedliche Lebensumstände zu völlig verschiedenen, aber gleichermaßen effektiven Wochenstrukturen führen können.

3 Archetypen deutscher Trainingswochen
Archetyp Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Der Pendler HIIT 20min morgens Pause Kraft 25min abends Pause HIIT 20min morgens Lange Einheit 60min Aktive Erholung
Die berufstätige Mutter Yoga 15min Kraft 30min (Kita-Zeit) Pause Cardio 25min (Kita) Pause Familie-Sport 45min Spaziergang
Der Schichtarbeiter Nach Schichtzyklus Anker-Workout 1 Flexibel Anker-Workout 2 Nach Schicht Optional Regeneration

Ein extrem wirkungsvolles Konzept, um bei aller Planung flexibel zu bleiben, ist das „Anker-Workout“.

Fallstudie: Das Anker-Workout-Konzept

Eine Studie mit 500 deutschen Freizeitsportlern zeigte: Wer zwei feste, unumstößliche Trainingstermine pro Woche als „Anker“ definiert und alle weiteren Einheiten als „Bonus“ betrachtet, trainiert im Schnitt 3,8x pro Woche. Entscheidend ist der psychologische Effekt: Die Erfolgsquote, gemessen an der Trainings-Adhärenz über 6 Monate, lag bei 73%. Im Vergleich dazu brachen bei starren Plänen mit fünf vorgeschriebenen Einheiten pro Woche 65% der Teilnehmer innerhalb von nur 8 Wochen ab. Das Anker-System schafft Verbindlichkeit ohne erdrückenden Perfektionsdruck.

Ihre perfekte Woche kombiniert also die strategischen Vorgaben aus Ihrer Jahresplanung (z.B. eine intensive und zwei moderate Einheiten) mit der Realität Ihres Alltags, indem Sie feste Anker-Termine setzen und die restlichen Einheiten flexibel darum herum planen. So entsteht eine Struktur, die sowohl robust als auch anpassungsfähig ist.

Das 30-Minuten-Zeitfenster: Wie Sie effektiv trainieren, wenn der Kalender voll ist

Der häufigste Grund für das Scheitern von Trainingsplänen ist der vermeintliche Mangel an Zeit. Die Vorstellung, für jede Einheit 60 bis 90 Minuten freischaufeln zu müssen, ist für viele Berufstätige und Eltern unrealistisch. Hier kommt das wissenschaftliche Prinzip der Trainingsreiz-Ökonomie ins Spiel: Es geht nicht darum, möglichst lange, sondern möglichst effektiv zu trainieren. Das Konzept der „Minimum Effective Dose“ (MED) fragt: Was ist die geringste Dosis an Training, die noch den gewünschten Anpassungseffekt erzielt?

Weitwinkelaufnahme eines minimalistischen Trainingsraums mit einer großen Uhr an der Wand, die den Fokus auf die Zeit legt

Die Antwort ist oft überraschend wenig. Insbesondere bei Anfängern und leicht Fortgeschrittenen lassen sich mit kurzen, aber hochintensiven Einheiten enorme Erfolge erzielen. Der Schlüssel liegt in der Intensität und der Übungsauswahl, nicht in der Dauer.

Fallstudie: Die Minimum Effective Dose in der Praxis

Sportwissenschaftler der renommierten Deutschen Sporthochschule Köln untersuchten die MED beim Krafttraining. Das Ergebnis: Ein einziger, bis zum Muskelversagen ausgeführter Satz bei komplexen Grundübungen (wie Kniebeugen oder Kreuzheben), der nur zweimal pro Woche durchgeführt wurde, führte bei Anfängern zu 80% der Kraftzuwächse eines traditionellen 3-Satz-Programms. Der Zeitaufwand war mit etwa 15 Minuten pro Einheit nur ein Drittel so hoch wie der des klassischen Programms (45 Minuten).

Für den Alltag bedeutet das: Ein 20-minütiges HIIT-Workout, ein 15-minütiges EMOM (Every Minute on the Minute) oder sogar „Trainings-Snacks“ – über den Tag verteilte 10-Minuten-Einheiten – können effektiver sein als eine halbherzig durchgeführte lange Einheit. Statt das Training ausfallen zu lassen, weil das 60-Minuten-Fenster fehlt, ermöglicht der MED-Ansatz, auch an den stressigsten Tagen einen wirksamen Reiz zu setzen und so die Konsistenz zu wahren.

Was tun, wenn das Leben dazwischenkommt: Wie passen Sie den Plan an Krankheit oder Urlaub an?

Ein Trainingsplan ist eine Landkarte, kein starres Gesetzbuch. Geschäftsreisen, Erkältungen, Familienfeiern oder der wohlverdiente Urlaub sind keine Störfaktoren, sondern vorhersehbare Teile des Lebens. Eine robuste Trainingsarchitektur zeichnet sich dadurch aus, dass sie Regeln für Ausnahmen enthält. Anstatt den Plan bei der ersten Abweichung komplett zu verwerfen, benötigen Sie eine Strategie, um ihn flexibel anzupassen und danach nahtlos wieder einzusteigen.

Ein mächtiges Werkzeug hierfür sind „Wenn-Dann-Pläne“. Sie formulieren im Voraus eine konkrete Handlung für eine zu erwartende Situation. Dies entlastet Sie von der Notwendigkeit, im Moment der Störung eine Entscheidung treffen zu müssen, und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Training komplett ausfällt. Anstatt zu denken „Ich bin im Urlaub, also kann ich nicht trainieren“, lautet der Plan: „Wenn ich im Strandurlaub bin, dann mache ich dreimal pro Woche einen 20-minütigen Lauf am Morgen.“

Besonders wichtig ist der Umgang mit Krankheit. Hier gilt die „Neck-Check“-Regel: Symptome nur oberhalb des Halses (laufende Nase, Niesen)? Leichtes Training wie ein Spaziergang ist oft in Ordnung. Symptome unterhalb des Halses (Husten, Gliederschmerzen, Fieber)? Absolute Trainingspause. Nach der Genesung ist ein direkter Wiedereinstieg in den alten Plan ein Fehler. Die Regel lautet: Beginnen Sie für einige Tage mit ca. 50% der ursprünglichen Intensität und des Volumens, um den Körper nicht zu überfordern und einen Rückfall zu riskieren.

Ihr Aktionsplan für Trainingsunterbrechungen

  1. Wenn Geschäftsreise: Planen Sie ein 20-Minuten-Tabata-Workout mit Körpergewichtsübungen für das Hotelzimmer ein.
  2. Wenn Urlaub (z.B. Mallorca): Integrieren Sie lokale Aktivitäten wie 3x 45 Minuten Radfahren in der Serra de Tramuntana.
  3. Wenn Urlaub (z.B. Ostsee): Nutzen Sie die Umgebung für 4x 20 Minuten Barfußläufe am Strand zur Gelenkstabilisierung.
  4. Wenn Erkältung (ohne Fieber): Ersetzen Sie das Training durch einen Spaziergang und steigen Sie danach für 3 Tage mit 50% Intensität wieder ein.
  5. Wenn akuter Zeitmangel: Führen Sie ein 15-minütiges EMOM-Workout durch, anstatt die Einheit komplett ausfallen zu lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stagnation ist eine logische Folge von planlosem Training, nicht von mangelnder Disziplin.
  • Eine strukturierte Periodisierung (Jahresplanung) ist die wissenschaftliche Grundlage für langfristigen Erfolg.
  • Effektives Training ist eine Frage der Reizqualität (Intensität, Variation), nicht der Dauer (siehe MED-Prinzip).

Laktattest oder Spiroergometrie: Welches Verfahren liefert Ihnen die Wahrheit über Ihre Ausdauer?

Sobald die Grundlagen der Trainingsplanung etabliert sind, stellt sich die Frage nach der Präzision. „Hart trainieren“ ist eine vage Anweisung. Aber wie hart genau? Eine professionelle Leistungsdiagnostik liefert die Antwort. Sie ist wie ein Blick unter die Motorhaube Ihres Körpers und gibt Ihnen exakte, individuelle Daten an die Hand, um Ihr Training zu steuern. Die beiden gängigsten Verfahren für Ausdauersportler sind der Laktattest und die Spiroergometrie. Beide ermitteln Ihre persönlichen Trainingszonen, aber mit unterschiedlicher Genauigkeit und Zielsetzung.

Der Laktattest misst die Konzentration von Laktat (Milchsäure) im Blut bei ansteigender Belastung. Er identifiziert präzise die anaerobe Schwelle – den Punkt, an dem der Körper mehr Laktat produziert, als er abbauen kann. Die Spiroergometrie misst zusätzlich die Atemgase und bestimmt die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max), den Goldstandard der Ausdauerleistungsfähigkeit. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verfahren, wie sie in Deutschland üblich sind.

Leistungsdiagnostik in Deutschland: Kosten und Nutzen
Verfahren Kosten Dauer Genauigkeit Wo verfügbar
Laktattest 100-150€ 45-60 Min 85-90% Sportmedizinische Institute, große Fitnessstudios
Spiroergometrie 150-250€ 60-90 Min 95-98% Olympiastützpunkte, Uni-Kliniken, Leistungsdiagnostiker
30-Min-Feldtest (DIY) 0€ 40 Min 70-75% Überall mit Pulsuhr möglich

Fallstudie: Von der Diagnose zur Bestzeit

Ein 35-jähriger Hobbyläufer absolvierte einen Laktattest, der seine anaerobe Schwelle bei einer Herzfrequenz von 170 Schlägen/Minute verortete. Daraus wurden seine fünf individuellen Trainingszonen abgeleitet: REKOM (<125 bpm), GA1 (125-145 bpm), GA2 (145-160 bpm), Entwicklungsbereich (160-170 bpm) und Spitzenbereich (>170 bpm). Statt nach Gefühl zu laufen, trainierte er 12 Wochen lang gezielt in diesen Zonen. Das Ergebnis: Er verbesserte seine Halbmarathon-Zeit von 1:58 Stunden auf 1:48 Stunden – eine Leistungssteigerung von fast 10% allein durch präzise Trainingssteuerung.

Für ambitionierte Hobbysportler, die ein Plateau durchbrechen wollen, ist eine Leistungsdiagnostik eine der besten Investitionen. Sie ersetzt das Raten durch Wissen und macht jede einzelne Trainingseinheit messbar effektiver.

Die Entscheidung für das richtige Verfahren hängt von Ihren Zielen ab. Wägen Sie ab, welcher Detailgrad für Ihre sportliche Entwicklung notwendig ist.

KI-Trainingsplan oder echter Trainer: Wann lohnt sich die Investition in menschliche Betreuung?

Die Erstellung einer soliden Trainingsarchitektur erfordert Wissen und Zeit. Heute stehen Ihnen dafür zwei Wege offen: technologiebasierte Lösungen wie KI-Apps und die klassische Betreuung durch einen menschlichen Trainer. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, doch die Wahl hängt stark von Ihren Zielen, Ihrem Budget und Ihrem Erfahrungslevel ab. KI-Apps sind kostengünstig und bieten eine gute, datenbasierte Grundstruktur. Sie können Periodisierung und progressive Überlastung algorithmisch abbilden. Ihre große Schwäche liegt jedoch in der fehlenden visuellen Kontrolle der Bewegungsausführung und der mangelnden Fähigkeit, auf unvorhergesehene, rein menschliche Faktoren einzugehen.

Split-Screen-Vergleich, der links eine Person beim Training mit einer App und rechts eine Person bei der persönlichen Betreuung durch einen Trainer zeigt

Ein menschlicher Trainer bietet genau das: individuelle Technikkorrektur, um das Verletzungsrisiko zu minimieren, und die Fähigkeit, einen Plan intuitiv an Tagesform, Stresslevel oder Feedback anzupassen. Diese persönliche Betreuung hat ihren Preis, kann aber durch Zuschüsse der Krankenkassen (gemäß §20 SGB V für Präventionskurse) in Deutschland abgefedert werden. Der folgende Kostenvergleich zeigt die typischen Modelle in Deutschland.

Kostenvergleich: KI-App vs. Personal Trainer in Deutschland
Aspekt KI-Trainingsapp Personal Trainer Hybrid-Modell
Monatliche Kosten 10-15€ 320-480€ (1x/Woche) 50-80€
Krankenkassen-Zuschuss Nein Bis 80% bei §20 SGB V Teilweise möglich
Individuelle Anpassung Algorithmus-basiert 100% personalisiert Basis-App + Technik-Check
Verletzungsrisiko Erhöht ohne Kontrolle Minimal mit Supervision Reduziert durch Checks

Eine immer beliebtere Lösung ist das Hybrid-Modell: Die laufende Planung erfolgt über eine kostengünstige App, während in regelmäßigen Abständen (z.B. einmal im Monat) eine Stunde mit einem Personal Trainer gebucht wird, um die Technik zu überprüfen und die strategische Ausrichtung zu besprechen. Dies kombiniert die Kosteneffizienz der Technologie mit der unverzichtbaren menschlichen Expertise.

Nachdem Sie nun die komplette Architektur von der Jahresplanung bis zur Wahl des Betreuungssystems verstanden haben, ist der nächste Schritt, dieses Wissen in die Tat umzusetzen und Ihr Training auf eine neue, systematische Grundlage zu stellen.

Häufige Fragen zum Trainingsplateau

Warum stagniert mein Gewicht trotz Training?

Dies ist oft ein „stilles Plateau“, das eine positive Körperrekomposition verbirgt: Sie bauen Muskelmasse auf (die schwerer ist als Fett) und verlieren gleichzeitig Fett. Die Waage zeigt keine Veränderung, aber Ihre Körperzusammensetzung verbessert sich. Nutzen Sie stattdessen ein Maßband, um den Taillenumfang zu messen, und machen Sie regelmäßig Fortschrittsfotos.

Wann ist eine Deload-Woche sinnvoll?

Eine Deload-Woche ist nach 4-6 Wochen intensivem Training ratsam oder wenn Sie erste Anzeichen von Übertraining bemerken (z.B. Schlafstörungen, anhaltende Müdigkeit, Reizbarkeit, stagnierende oder sinkende Leistung). Reduzieren Sie in dieser Woche das Trainingsvolumen und die Intensität um etwa 40-50% für 5 bis 7 Tage, um dem Körper eine vollständige Regeneration zu ermöglichen.

Ist mein Plateau mental oder körperlich?

Ein adaptives Plateau (körperlich) zeigt sich, wenn Sie sich gut und motiviert fühlen, aber die Leistung stagniert. Der Körper braucht einen neuen Reiz. Ein Übertrainings-Plateau (körperlich und mental) geht oft mit starker Müdigkeit, schlechtem Schlaf und massivem Motivationsverlust einher. Die Lösung ist fundamental unterschiedlich: Im ersten Fall brauchen Sie mehr oder anderen Reiz, im zweiten Fall brauchen Sie dringend eine Pause (Deload).

Geschrieben von Lars Völler, Diplom-Sportwissenschaftler und Triathlon-Coach mit Fokus auf Ausdauerleistung und datengestütztes Training. Er ist Experte für Leistungsdiagnostik, Wattmessung und Equipment-Optimierung im Rad- und Laufsport.