Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Dein Training muss die spezifischen Belastungen der Alpen (Abstiege, Höhe, unebenes Gelände) gezielt simulieren.
  • Exzentrisches Krafttraining für die Knie und langsames Grundlagenausdauertraining sind wichtiger als reine Kilometerleistung.
  • Intelligentes Packen (unter 8 kg) und das Wissen um alpine Wetterphänomene sind überlebenswichtig.
  • Die Gehzeit in den Bergen wird nicht in Kilometern, sondern in Höhenmetern und Steilheit berechnet.

Du bist fit. Du läufst regelmäßig, fährst Rad oder gehst am Wochenende lange Strecken durch den Wald. Die Idee einer Alpenüberquerung reizt dich schon lange, aber ein Gedanke bremst dich aus: Wie sollst du dich ohne Berge vor der Haustür darauf vorbereiten? Du hörst Ratschläge wie „du musst viel wandern“ oder „Ausdauertraining ist alles“. Das ist zwar nicht falsch, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Viele „Flachland-Tiroler“ scheitern nicht an der Kondition, sondern weil ihre Fitness nicht auf die spezifischen Anforderungen der Alpen vorbereitet ist.

Die Alpen stellen deinen Körper vor Herausforderungen, die ein flacher Waldweg nicht kennt: das stundenlange, kniebelastende Bergabgehen, die dünnere Luft, die jeden Schritt anstrengender macht, und das unebene Gelände, das bei jedem Tritt volle Konzentration fordert. Es geht also nicht darum, einfach *mehr* zu trainieren, sondern dein Training gezielt auf diese Belastungen auszurichten.

Vergiss die Idee, dass du unzählige Kilometer abspulen musst. Der Schlüssel liegt in der „Belastungs-Übersetzung“: Du musst die physikalischen Kräfte des Berges in Übungen übersetzen, die du überall durchführen kannst. In diesem Guide zeige ich dir als dein persönlicher Bergführer, wie du genau das machst. Wir simulieren die Belastungen des Bergab- und Bergaufgehens, bereiten deinen Körper auf die Höhe vor und stellen sicher, dass dein Rucksack dein Freund und nicht dein Feind wird. Wir sprechen über die ungeschriebenen Gesetze der Berghütten und warum deine Uhr dein wichtigstes Frühwarnsystem sein kann. Mach dich bereit, deine Flachland-Fitness in alpine Tauglichkeit zu verwandeln.

Dieser Artikel führt dich Schritt für Schritt durch die wichtigsten Aspekte deiner Vorbereitung. Wir decken alles ab, von der physischen Simulation des Geländes bis hin zu den entscheidenden Ausrüstungs- und Verhaltensregeln am Berg.

Wie simulieren Sie Bergab-Gehen im Flachland, um Knieprobleme zu vermeiden?

Das größte Risiko für ungeübte Bergwanderer ist nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg. Deine Muskeln müssen stundenlang bremsen, eine Belastung, die im Flachland kaum vorkommt. Diese exzentrische Bremskraft ist der Hauptgrund für Muskelkater und schmerzende Knie. Deine Aufgabe ist es, genau diese bremsende Muskelarbeit gezielt zu trainieren, lange bevor du den ersten Berg siehst. Vergiss reines Joggen; wir müssen die Muskeln zwingen, unter Spannung nachzugeben.

Stell dir vor, dein Oberschenkelmuskel ist wie ein Seil, das eine schwere Last langsam herablässt. Genau das passiert beim Bergabgehen. Du kannst dies perfekt im Flachland simulieren. Treppenhäuser, Stühle oder eine stabile Kiste werden zu deinem persönlichen Trainings-Berg. Der Schlüssel ist die langsame, kontrollierte Bewegung nach unten. Selbst etablierte Vorbereitungskurse finden im Harz statt, um genau diese Trittsicherheit und Kraft auf unebenen Wegen zu schulen – der Beweis, dass es nicht die Höhe des Berges, sondern die Art der Belastung ist, die zählt.

Integriere die folgenden Übungen zwei- bis dreimal pro Woche in dein Training, um deine Knie „kugelsicher“ zu machen:

  • Box Step-Downs: Stelle dich auf eine stabile Box oder einen Stuhl (ca. 30-40 cm hoch). Steige nun extrem langsam mit einem Bein ab, bis die Ferse des anderen Beins den Boden berührt. Das Standbein leistet die gesamte Bremsarbeit.
  • Negativ-Wadenheben: Stelle dich auf eine Treppenstufe, sodass nur die Fußballen aufliegen. Drücke dich hoch und senke dann die Fersen sehr langsam (4-6 Sekunden) unter das Niveau der Stufe ab.
  • Rückwärts-Ausfallschritte: Mache einen großen Schritt nach hinten und beuge das Knie, bis es fast den Boden berührt. Diese Übung trainiert die bremsende Muskulatur, ohne die Kniegelenke durch Scherkräfte zu belasten.
  • Treppenhaus-Training: Gehe langsam Treppen abwärts, am besten mit einem befüllten Rucksack. Konzentriere dich darauf, jeden Schritt bewusst abzubremsen, anstatt dich einfach fallen zu lassen.

Ab welcher Höhe spüren Sie weniger Sauerstoff und wie beugen Sie Kopfschmerzen vor?

Als Flachländer ist dein Körper an einen hohen Sauerstoffpartialdruck gewöhnt. In den Alpen ändert sich das. Die wichtigste Regel vorweg: Höhenkrankheit ist keine Frage der Fitness, sondern der Akklimatisation. Selbst topfitte Athleten können davon betroffen sein. Der kritische Punkt ist die Geschwindigkeit, mit der du an Höhe gewinnst. Dein Körper braucht Zeit, um sich an die dünnere Luft anzupassen, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert.

Der Deutsche Alpenverein bestätigt, dass ab 2.000 Metern der Sauerstoffpartialdruck spürbar reduziert ist. Für die meisten Alpenüberquerungen, die oft Pässe über 2.500 Meter beinhalten, ist das absolut relevant. Erste Anzeichen einer schlechten Anpassung sind oft Kopfschmerzen, leichte Übelkeit oder Schlafstörungen. Ignoriere diese Signale nicht! Sie sind der Weckruf deines Körpers.

Wanderer auf der Zugspitze-Plattform bei der Höhenakklimatisierung, umgeben von Alpengipfeln im Nebel.

Die beste Vorbeugung ist simpel, aber nicht einfach: Gehe langsam. Besonders an den ersten Tagen deiner Tour, wenn du die größten Höhenunterschiede bewältigst, solltest du ein Tempo wählen, das sich fast zu langsam anfühlt. Du solltest dich jederzeit mühelos unterhalten können. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Hydration. Trinke deutlich mehr als im Flachland, auch wenn du keinen Durst verspürst – mindestens 3-4 Liter pro Tag. Die trockene Höhenluft und die Anstrengung entziehen deinem Körper viel Flüssigkeit. Alkohol am Abend ist tabu, da er die Akklimatisation zusätzlich behindert.

Was muss in den Rucksack, damit er unter 8 kg bleibt, ohne dass Sie frieren?

Jedes Gramm, das du im Flachland in deinen Rucksack packst, fühlt sich nach 1.000 Höhenmetern wie ein Kilo an. Die Kunst des leichten Packens ist für eine Alpenüberquerung nicht nur komfortabel, sondern überlebenswichtig. Dein Ziel: Das Rucksackgewicht ohne Wasser und Verpflegung sollte unter 8 Kilogramm bleiben. Das klingt nach wenig, ist aber mit der richtigen Ausrüstung und einer radikalen Denkweise absolut machbar. Das Geheimnis liegt im Zwiebelprinzip und in multifunktionaler Ausrüstung.

Verabschiede dich vom Gedanken, für jeden Tag ein frisches T-Shirt zu haben. Merino-Wolle ist hier dein bester Freund: Sie wärmt auch in feuchtem Zustand, trocknet schnell und nimmt kaum Gerüche an. Ein einziges Shirt zum Wandern und ein zweites für die Hütte reichen völlig aus. Der zweite Schlüssel ist die „Luxusgut-Verbotsliste“: Dinge, die zu Hause normal erscheinen, sind am Berg purer Ballast. Dazu gehören Jeans, große Handtücher, mehrere Bücher oder eine überdimensionierte Kulturtasche. Reduziere alles auf das absolute Minimum. Eine kleine Tube Zahnpasta, eine Reiseseife und Sonnencreme genügen. Die folgende Tabelle zeigt, wie mit moderner Ausrüstung massiv Gewicht gespart werden kann, wie es eine Analyse von ultraleichten Packlisten belegt.

Packliste für eine ultraleichte Alpenüberquerung
Kategorie Ausrüstung Gewicht (g) Dual-Use Funktion
Bekleidung Merino-Baselayer 200 Tag- und Nachtwäsche
Isolation Primaloft-Jacke 280 Isolierung + Kopfkissen
Wetterschutz Hardshell-Jacke 350 Regen- und Windschutz
Accessoires Buff-Tuch 35 Mütze, Schal, Augenmaske
Schlafsystem Hüttenschlafsack Seide 140 Hygiene + Wärmeleistung

Denke immer in Funktionen, nicht in Gegenständen. Deine Primaloft-Jacke ist nicht nur eine Jacke, sondern auch dein Kopfkissen. Dein Buff ist Mütze, Schal und Augenmaske in einem. Jedes Teil muss sich seinen Platz im Rucksack verdienen. Wenn du einen Gegenstand in den Händen hältst, frage dich: „Brauche ich das wirklich, oder will ich es nur?“ Wenn die Antwort nicht „unbedingt“ lautet, bleibt es zu Hause.

Warum sind 15 km in den Alpen etwas völlig anderes als 15 km in der Lüneburger Heide?

Im Flachland misst du eine Strecke in Kilometern. In den Alpen ist diese Angabe fast bedeutungslos. Die wahre Währung am Berg sind Höhenmeter und die Beschaffenheit des Weges. Eine 15-Kilometer-Wanderung in der Lüneburger Heide mag drei Stunden dauern. Dieselbe Distanz in den Alpen mit 1.200 Metern Auf- und Abstieg kann leicht zu einer tagesfüllenden, extrem anstrengenden Tour von acht Stunden oder mehr werden.

Der Grund dafür ist einfach: Physik. Beim Bergaufgehen kämpfst du permanent gegen die Schwerkraft. Dein Sauerstoff- und Energiebedarf steigt exponentiell mit der Steilheit an. Die offizielle DAV-Formel zur Gehzeitberechnung verdeutlicht dies: Man rechnet pro Stunde entweder 4 Kilometer Horizontaldistanz ODER 300 Höhenmeter im Aufstieg ODER 500 Höhenmeter im Abstieg. Der langsamste Wert zählt. Eine kurze Strecke von 4 km mit 1.200 Hm Aufstieg dauert also nicht eine, sondern vier Stunden – plus Pausen.

Detailaufnahme von Wanderschuhen auf einem alpinen Geröllfeld, die die erforderliche Konzentration bei jedem Schritt zeigt.

Hinzu kommt die Anforderung an die Trittsicherheit. Ein schmaler, ausgesetzter Pfad oder ein Geröllfeld erfordert bei jedem einzelnen Schritt volle Konzentration. Anders als auf einem breiten Waldweg, wo du die Gedanken schweifen lassen kannst, musst du in den Alpen deine Füße millimetergenau platzieren. Diese permanente mentale Anspannung ist eine Form der Ermüdung, die Flachländer oft unterschätzen. Nach sechs Stunden hochkonzentrierten Gehens bist du auch mental erschöpft, selbst wenn die Muskeln noch könnten. Diese Kombination aus physischer Anstrengung gegen die Schwerkraft und mentaler Dauerbelastung macht den fundamentalen Unterschied aus.

Hüttenschlafsack und Alpenvereinsausweis: Welche ungeschriebenen Regeln gelten auf der Berghütte?

Eine Berghütte ist kein Hotel in den Bergen. Sie ist ein Schutzraum und ein sozialer Mikrokosmos mit eigenen, oft ungeschriebenen Gesetzen. Wer diese Regeln kennt und respektiert, wird eine wunderbare Zeit erleben. Wer sie ignoriert, outet sich schnell als „Greenhorn“. Die wichtigste Regel ist, dass das Leben auf der Hütte von Rücksichtnahme und Gemeinschaft geprägt ist.

Dein wichtigstes Utensil ist der Hüttenschlafsack. Aus hygienischen Gründen ist er auf fast allen Hütten Pflicht. Er ist ein leichter Innenschlafsack aus Seide oder Baumwolle, in den du dich legst, bevor du die von der Hütte gestellten Decken benutzt. Ebenso wichtig ist der Alpenvereinsausweis. Als Mitglied erhältst du nicht nur erhebliche Rabatte auf die Übernachtung, sondern unterstützt auch den Erhalt der Wege und Hütten. Aber Achtung: Der Ausweis ist keine Garantie für einen Schlafplatz. Eine Reservierung ist heutzutage fast immer zwingend erforderlich.

Ein besonders heikler Punkt ist die Stornierung. Die Plätze sind begrenzt und begehrt. Wer nicht kommt und nicht absagt, blockiert den Platz für andere Wanderer, die vielleicht dringend Schutz suchen. Der Deutsche Alpenverein formuliert es unmissverständlich:

Bei Verhinderung ABSOLUT absagen – jeder nicht abgesagte Platz fehlt anderen Wanderern

– Deutscher Alpenverein, DAV Hüttenordnung 2024

Weitere wichtige Regeln: Die Hüttenruhe ab 22 Uhr ist heilig. Dein Schlaf ist die Sicherheitsreserve für den nächsten Tag. Nasse Kleidung und Rucksäcke gehören in den Trockenraum, nicht ins Matratzenlager. Und das Zubereiten eigener Speisen ist in der Regel tabu. Die Versorgung der Hütten ist logistisch extrem aufwendig, und der Verzehr der angebotenen Halbpension ist Teil des ökonomischen Konzepts, das den Betrieb sichert.

Warum müssen Sie extrem langsam laufen, um langfristig schneller zu werden?

Das klingt paradox, ist aber das Fundament jeder soliden Ausdauerleistung. Viele Anfänger machen den Fehler, bei jeder Trainingseinheit an ihre Grenzen zu gehen. Sie kommen erschöpft nach Hause und glauben, viel für ihre Fitness getan zu haben. Kurzfristig mag das stimmen, aber für ein mehrtägiges Unternehmen wie eine Alpenüberquerung ist diese Strategie fatal. Du trainierst damit vor allem deine Fähigkeit, schnell zu erschöpfen.

Was du brauchst, ist eine bombensichere Grundlagenausdauer (GA1). Das bedeutet, du trainierst deinen Körper darauf, seine Energie hocheffizient aus Fett anstatt aus schnell verfügbaren Kohlenhydraten zu gewinnen. Diesen Fettstoffwechsel trainierst du am besten bei sehr niedriger Intensität – also bei einem Tempo, das sich fast schon lächerlich langsam anfühlt. Der berühmte „Sprechtest“ ist hier dein bester Indikator: Wenn du dich während des Trainings noch locker unterhalten kannst, bist du im richtigen Bereich. Schnappst du nach Luft, bist du zu schnell.

Für eine Alpenüberquerung bedeutet das: Deine langen Trainingseinheiten (Wanderungen, Läufe, Radtouren) sollten zu 80 % im GA1-Bereich stattfinden. Nur so baust du die Fähigkeit auf, sechs, sieben oder acht Stunden am Stück Leistung zu erbringen, Tag für Tag. Dein Körper wird zu einem effizienten Kraftwerk, das auf seine riesigen Fettreserven zugreifen kann. Wer immer nur schnell trainiert, hat einen „kleinen Tank“ und braucht ständig „Zucker-Nachschub“, um nicht in ein Leistungstief zu fallen. Das langsame Training macht dich also nicht langsam, sondern ausdauernd – und diese Ausdauer erlaubt es dir, am Ende schneller und sicherer am Ziel anzukommen.

Dein 5-Schritte-Audit für das richtige Grundlagentempo

  1. Maximalpuls ermitteln: Als grobe Annäherung nutze die Formel „220 minus Lebensalter“, um deinen theoretischen Maximalpuls zu bestimmen.
  2. GA1-Zone definieren: Berechne deinen persönlichen GA1-Trainingsbereich, der bei 60-70 % deines Maximalpulses liegt. Hier findet dein Fettstoffwechseltraining statt.
  3. Sprechtest durchführen: Überprüfe während des Trainings objektiv, ob du noch in der Lage bist, ganze Sätze flüssig zu sprechen. Dies ist der praktischste Indikator für die richtige Intensität.
  4. Tempo bewusst anpassen: Sei ehrlich zu dir selbst. Wenn der Sprechtest negativ ausfällt, drossle dein Tempo sofort, auch wenn es bedeutet, eine Gehpause einzulegen, um wieder in den Pulsbereich zu kommen.
  5. Fortschritt protokollieren: Beobachte über 8-12 Wochen, wie sich deine Geschwindigkeit bei gleichem Puls langsam erhöht. Dies ist der Beweis, dass deine Grundlagenausdauer wächst.

Wie muss ein Rucksack sitzen, damit Sie nach 20 km keine Schulterschmerzen haben?

Ein gut sitzender Rucksack ist der Unterschied zwischen einer genussvollen Wanderung und einer Tortur. Viele Flachländer machen den Fehler zu glauben, ein Rucksack würde auf den Schultern getragen. Das ist falsch und führt unweigerlich zu Schmerzen, Verspannungen und vorzeitiger Erschöpfung. Das Geheimnis liegt im 80/20-Grundsatz der Lastverteilung: Ein korrekt eingestellter Trekkingrucksack überträgt etwa 80 % seines Gewichts auf deine Hüfte und nur 20 % auf die Schultern.

Deine Hüftknochen sind dafür gebaut, Last zu tragen – deine Schultern nicht. Der Hüftgurt ist daher das mit Abstand wichtigste Element deines Rucksacks. Er muss fest auf dem Beckenkamm sitzen, nicht an der Taille. Die Schultergurte dienen dann nur noch der Stabilisierung und verhindern, dass der Rucksack nach hinten kippt. Wenn du nach einer Stunde Wanderung Druck auf den Schultern spürst, ist der Rucksack falsch eingestellt.

Das Einstellen ist ein aktiver Prozess, den du jeden Morgen neu durchführen solltest. Es ist keine einmalige Sache. Nimm dir die Zeit für dieses Ritual, dein Körper wird es dir danken. Gehe dabei immer nach der gleichen Reihenfolge vor, um den perfekten Sitz zu gewährleisten:

  1. Vorbereitung: Belade den Rucksack mit realistischem Gewicht (ca. 8-10 kg) und stelle ihn auf eine erhöhte Fläche, um ihn leicht aufsetzen zu können.
  2. Alle Riemen lockern: Bevor du den Rucksack aufsetzt, lockere alle Gurte – Hüftgurt, Schultergurte, Lastkontrollriemen und Brustgurt.
  3. Hüftgurt positionieren und festziehen: Setze den Rucksack auf. Der gepolsterte Teil des Hüftgurts muss mittig auf deinen Hüftknochen aufliegen. Ziehe ihn fest an. Er ist das Fundament, das die Hauptlast trägt.
  4. Schultergurte anziehen: Ziehe nun die Schultergurte so an, dass sie leicht auf den Schultern aufliegen, aber kein signifikantes Gewicht übertragen. Es sollte kein starker Druck spürbar sein.
  5. Lastkontrollriemen justieren: Die kleinen Riemen oben an den Schulterträgern ziehen den Rucksack näher an deinen Rücken. Der Winkel sollte etwa 45 Grad betragen. Das bringt den Schwerpunkt näher an den Körper und verbessert die Stabilität.
  6. Brustgurt schließen: Schließe den Brustgurt und ziehe ihn leicht an. Er verhindert, dass die Schultergurte zur Seite rutschen, darf dich aber nicht beim Atmen behindern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deine Vorbereitung muss die spezifischen Belastungen der Alpen (Abstieg, Höhe, unebenes Gelände) gezielt im Flachland simulieren.
  • Exzentrisches Krafttraining für die Knie und langsames Grundlagenausdauertraining (GA1) sind wichtiger als reine Kilometerleistung im Training.
  • Radikale Gewichtsreduktion im Rucksack (unter 8 kg) und das Wissen um alpine Verhaltensregeln und Wetterzeichen sind entscheidend für Sicherheit und Genuss.

Warum ist ein rapider Druckabfall auf Ihrer Uhr das wichtigste Warnsignal?

In den Alpen kann das Wetter innerhalb von Minuten von strahlendem Sonnenschein zu einem lebensgefährlichen Unwetter umschlagen. Als Flachländer bist du solche schnellen Wechsel nicht gewohnt. Deine wichtigste Informationsquelle ist nicht die Wetter-App auf dem Handy, die im Gebirge oft keinen Empfang hat, sondern das Barometer deiner Uhr. Ein rapider, kontinuierlicher Druckabfall ist das unmissverständliche Alarmsignal für eine nahende Wetterfront.

Ein Druckabfall von 2-3 hPa pro Stunde kündigt ein Gewitter oder einen massiven Kälteeinbruch an. In den deutschen Alpen kommt noch eine besondere Gefahr hinzu: der Föhn. Dieses alpine Phänomen kann bei einem plötzlichen Druckabfall zu extremen Fallwinden mit Orkanstärke führen. Du hast dann nur ein sehr kleines Zeitfenster, um dich in Sicherheit zu bringen. Auf einem exponierten Grat oder einem Gipfel von einem solchen Sturm überrascht zu werden, ist lebensgefährlich. Allgemeine Tourenbeschreibungen sind hier oft veraltet; du musst die aktuellen Bedingungen vor Ort interpretieren können.

Wenn deine Uhr also Alarm schlägt, musst du sofort und rational handeln. Panik ist ein schlechter Ratgeber. Führe sofort einen Notfallplan aus:

  • Anhalten und beobachten: Bleib sofort stehen und analysiere den Himmel. Achte auf die Form und Zugrichtung der Wolken. Türmen sich dunkle Wolken auf? Das ist ein klares Zeichen.
  • Karte konsultieren: Lokalisiere auf deiner Karte die nächste Schutzhütte, eine Alm oder einen sicheren Abstiegsweg, der nicht über ausgesetzte Grate führt.
  • Zeit kalkulieren: Schätze realistisch die Gehzeit zu diesem sicheren Ort. Nutze die DAV-Formel (300 Hm Aufstieg/Stunde, 500 Hm Abstieg/Stunde), nicht dein Bauchgefühl.
  • Entscheiden und Handeln: Wenn der sichere Ort mehr als ein bis zwei Stunden entfernt ist, ist der sofortige Abbruch der Tour und der schnellstmögliche Abstieg oft die einzig richtige Entscheidung. Halte deine Gruppe zusammen und meide umgehend alle Gipfel und Grate.

Die Fähigkeit, Wetterzeichen richtig zu deuten und konsequent zu handeln, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten am Berg. Sie ist wichtiger als jeder letzte Höhenmeter, den du noch schaffen wolltest. Deine Uhr ist dabei nicht nur ein Gimmick, sondern dein persönlicher Wetterfrosch und dein wichtigstes Sicherheitsinstrument.

Mit dieser gezielten Vorbereitung hast du die Werkzeuge an der Hand, um deine Flachland-Fitness in alpine Kompetenz zu übersetzen. Du bist nun bereit, den ersten Schritt zu wagen. Plane jetzt deine Route mit dem neu gewonnenen Wissen und dem Respekt vor den Bergen.

Häufige Fragen zur Vorbereitung auf eine Alpenüberquerung

Warum ist Hüttenruhe ab 22 Uhr so wichtig?

Die Hüttenruhe ab 22 Uhr existiert, weil der Schlaf jedes Bergsteigers direkt seine Sicherheit am nächsten Tag beeinflusst. Müde Wanderer machen mehr Fehler und sind unfallgefährdeter. Sie ist ein Akt der gegenseitigen Rücksichtnahme und sichert die Leistungsfähigkeit aller für die kommende Etappe.

Kann ich mein eigenes Essen auf der Hütte zubereiten?

Das Mitbringen und Zubereiten eigener Verpflegung gilt als unhöflich und ist auf den meisten Alpenvereinshütten nicht gestattet. Die Halbpension ist aus logistischen Gründen fast obligatorisch – Hüttenwirte müssen alle Lebensmittel per Hubschrauber, Seilbahn oder zu Fuß hochtransportieren. Der Verzehr sichert den wirtschaftlichen Betrieb der Hütte.

Was bedeutet das ‚Gegenrecht‘ für Alpenvereinsmitglieder?

DAV-Mitglieder erhalten auf den Hütten des Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Alpenvereins ermäßigte Übernachtungspreise. Dieses sogenannte Gegenrecht bedeutet jedoch NICHT, dass man ohne vorherige Reservierung einen Schlafplatz garantiert bekommt. Eine rechtzeitige Online-Buchung ist heutzutage unerlässlich.

Geschrieben von Lena Huber, Staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin (IVBV) und Expertin für Outdoor-Ausrüstung. Sie führt seit einem Jahrzehnt Touren in den Alpen und testet professionell Equipment für Fachmagazine.