
Der größte Widerspruch für Naturfreunde ist gelöst: Es ist möglich, bei jedem Wetter trocken zu bleiben, ohne die Umwelt mit giftigen Chemikalien zu belasten, indem man die Funktionsweise von Materialien versteht.
- Giftige PFC-Imprägnierungen haben wirksame Alternativen, sowohl technologische (PFC-freie Membrane) als auch natürliche (Loden, gewachste Baumwolle).
- Die richtige Pflege ist entscheidend: Weichspüler zerstört die Atmungsaktivität, und spezielle Waschbeutel reduzieren die Mikroplastik-Fracht erheblich.
Empfehlung: Investieren Sie in langlebige, bewusst gewählte und richtig gepflegte Produkte, anstatt ständig neuen „Öko“-Kollektionen zu folgen. Qualität und Wissen schlagen Quantität.
Jeder naturbegeisterte Mensch kennt diesen inneren Konflikt: Man steht auf einem Berggipfel, atmet die reine Luft ein und spürt gleichzeitig das leichte Unbehagen über die Funktionsjacke am eigenen Körper – ein Hightech-Produkt aus Kunststoffen, dessen Produktion und Langlebigkeit einen erheblichen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Dieses Material-Dilemma zwischen dem Wunsch, die Natur zu genießen, und der Notwendigkeit, sich mit leistungsfähiger Kleidung vor ihr zu schützen, scheint unlösbar. Die gängigen Ratschläge sind oft oberflächlich: Kaufen Sie „PFC-frei“, achten Sie auf Siegel, bevorzugen Sie Naturmaterialien.
Doch diese Tipps kratzen nur an der Oberfläche eines komplexen Themas. Sie beantworten nicht die entscheidenden Fragen: Warum perlen Wassertropfen auf manchen Jacken so perfekt ab und warum ist genau das ein Problem? Kann ein traditioneller Lodenmantel wirklich mit einer modernen Gore-Tex-Membran mithalten? Und was passiert eigentlich auf molekularer Ebene, wenn Polyesterkleidung nach kurzer Zeit zu stinken beginnt, während Merinowolle tagelang frisch bleibt?
Dieser Artikel geht einen Schritt weiter. Anstatt nur „gute“ von „bösen“ Materialien zu trennen, deckt er die unsichtbaren Mechanismen hinter Funktion, Komfort und Umweltbelastung auf. Wir tauchen tief in die Wissenschaft der Textilien ein, um Ihnen das „Warum“ zu erklären. Nur wer die Funktionsweise von Membranen, die Ursachen für Geruchsbildung und den chemischen Fingerabdruck von Imprägnierungen versteht, kann wirklich fundierte und nachhaltige Entscheidungen treffen. Es geht nicht darum, die perfekte, schuldfreie Jacke zu finden, sondern darum, bewusste Kompromisse zu schließen, die zu Ihrem Anspruch und zum Wohl unseres Planeten passen.
Um dieses komplexe Thema zu strukturieren, beleuchten wir die kritischsten Aspekte von Funktionskleidung – von der chemischen Ausrüstung über natürliche Alternativen und die richtige Pflege bis hin zur Orientierung im Dschungel der Umweltsiegel.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu nachhaltiger Funktionskleidung
- Warum perlen Wassertropfen auf Ihrer alten Jacke so gut ab und warum ist das ein Umweltproblem?
- Kann gewachste Baumwolle oder Loden moderne Membranen wirklich ersetzen?
- Wie waschen Sie Ihre Fleecejacke, ohne dass Tausende Fasern ins Meer gelangen?
- Warum stinkt Polyester nach 2 Stunden und Merino erst nach 2 Tagen?
- Bluesign oder Grüner Knopf: Welchen Labels können Sie im Sportgeschäft vertrauen?
- Wie grün war die EURO 2024 in Deutschland im Vergleich zu den Versprechungen wirklich?
- Natur oder Hightech: Welches Material stinkt auch nach 3 Tagen Wandern nicht?
- Warum Weichspüler Ihre Funktionskleidung sofort ruiniert und die Atmungsaktivität zerstört
Warum perlen Wassertropfen auf Ihrer alten Jacke so gut ab und warum ist das ein Umweltproblem?
Der beeindruckende Abperleffekt, der Wassertropfen wie kleine Kugeln von einer Outdoor-Jacke rollen lässt, ist das Ergebnis einer chemischen Ausrüstung, die als DWR (Durable Water Repellency) bekannt ist. Jahrzehntelang basierte diese Imprägnierung auf per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC oder auch PFAS genannt. Diese Stoffgruppe hat eine einzigartige Eigenschaft: Sie ist gleichzeitig wasser-, fett- und schmutzabweisend. Was für die Performance der Kleidung ein Segen ist, entpuppt sich für die Umwelt als Fluch. PFCs sind extrem stabil und werden in der Natur praktisch nicht abgebaut, weshalb sie auch als „ewige Chemikalien“ bezeichnet werden.
Einmal in die Umwelt freigesetzt – sei es bei der Produktion, durch Abrieb beim Tragen oder beim Waschen – reichern sie sich in Böden, Gewässern und Organismen an. Sie finden sich mittlerweile weltweit in der Luft, im Regen und sogar in der Muttermilch und im Blut von Menschen und Tieren. Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung belegen, dass es PFAS-Verschmutzungen an über 1.500 Orten allein in Deutschland gibt. Diese Substanzen stehen im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und krebserregend zu sein.
Das eigentliche Problem ist also nicht der Abperleffekt an sich, sondern der unsichtbare chemische Fingerabdruck, den die dafür verantwortlichen Chemikalien hinterlassen. Die gute Nachricht ist, dass die Industrie reagiert hat und zunehmend auf PFC-freie Alternativen setzt, die auf Silikon- oder Paraffinbasis funktionieren. Diese sind zwar oft etwas weniger langlebig und schmutzabweisend, stellen aber einen entscheidenden Schritt dar, um die Umweltbelastung durch Outdoor-Kleidung zu reduzieren. Der Griff zu einer Jacke mit dem Label „PFC-frei“ ist somit eine der wirkungsvollsten Entscheidungen, die Verbraucher treffen können.
Kann gewachste Baumwolle oder Loden moderne Membranen wirklich ersetzen?
Angesichts der chemischen Belastung durch synthetische Hightech-Materialien rücken traditionelle, natürliche Alternativen wieder stärker in den Fokus. Insbesondere gewachste Baumwolle und Loden (gewalkte Schurwolle) erleben eine Renaissance. Doch können diese bewährten Stoffe im Praxistest wirklich mit modernen, PFC-freien Membranen wie Sympatex konkurrieren? Die Antwort lautet: Es kommt auf den Einsatzzweck an.

Loden ist ein faszinierendes Material. Durch das Walken verfilzen die Wollfasern so stark, dass eine dichte, wind- und wasserabweisende Oberfläche entsteht, die gleichzeitig extrem atmungsaktiv ist. Bei leichtem bis mittlerem Regen hält Loden erstaunlich lange trocken. Sein Nachteil ist das hohe Gewicht, besonders wenn er sich mit Wasser vollsaugt. Gewachste Baumwolle bietet durch die Wachsschicht eine exzellente Wasserfestigkeit, fast vergleichbar mit einer Regenjacke. Allerdings ist die Atmungsaktivität stark eingeschränkt, was bei schweißtreibenden Aktivitäten schnell zu einem unangenehmen, feuchten Klima im Inneren führt.
Moderne Membranen bieten hier oft einen besseren Allround-Kompromiss aus geringem Gewicht, hoher Wasserdichtigkeit und guter Atmungsaktivität. Der folgende Vergleich, basierend auf einer Analyse von Bergzeit, verdeutlicht die jeweiligen Stärken und Schwächen.
| Material | Wasserabweisung | Atmungsaktivität | Gewicht | PFC-frei |
|---|---|---|---|---|
| Loden | Gut bei leichtem Regen | Sehr gut | Schwer | Ja |
| Gewachste Baumwolle | Sehr gut | Eingeschränkt | Mittelschwer | Ja |
| Gore-Tex Membran | Exzellent | Sehr gut | Leicht | Noch teilweise PFC |
| Sympatex Membran | Sehr gut | Gut | Leicht | Ja |
Die Wahl ist also keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern eine bewusste Entscheidung für den richtigen Anwendungsbereich. Für eine gemütliche Wanderung im Nieselregen ist eine Lodenjacke ideal, während die anspruchsvolle Bergtour bei Dauerregen eher nach einer leichten Hardshell mit PFC-freier Membran verlangt. Die traditionellen Materialien sind also keine Relikte, sondern eine wertvolle und nachhaltige Ergänzung in der Garderobe jedes Outdoor-Enthusiasten.
Wie waschen Sie Ihre Fleecejacke, ohne dass Tausende Fasern ins Meer gelangen?
Fleecejacken sind warm, leicht und gemütlich – aber sie haben eine unsichtbare, dunkle Seite. Da sie aus synthetischen Fasern (meist Polyester) bestehen, verlieren sie bei jedem Waschgang winzige Faserbruchstücke: Mikroplastik. Diese Partikel sind so klein, dass sie von den meisten Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. So gelangen sie über die Flüsse direkt in die Meere, wo sie von Meeresorganismen aufgenommen werden und in die Nahrungskette eintreten. Eine einzige Fleecejacke kann pro Wäsche Hunderttausende dieser Fasern freisetzen. Die gesamte Mikroplastik-Fracht, die allein durch das Waschen von Textilien entsteht, ist enorm.
Doch auf die geliebte Fleecejacke verzichten muss man deshalb nicht. Es gibt mittlerweile effektive Methoden, um den Austrag von Mikroplastik drastisch zu reduzieren. Der BUND empfiehlt beispielsweise spezielle Waschbeutel. Eine bekannte Lösung ist der Guppyfriend-Waschbeutel. Die Kleidung wird in diesen Beutel aus einem sehr feinen Gewebe gegeben und dann ganz normal gewaschen. Der Beutel fängt die abgebrochenen Fasern zuverlässig auf. Nach der Wäsche können die Faserknäuel einfach aus dem Beutel entfernt und im Restmüll entsorgt werden, anstatt im Abwasser zu landen.
Neben speziellen Waschbeuteln gibt es weitere einfache Maßnahmen, um die Umweltbelastung zu minimieren. Die richtige Waschroutine spielt dabei eine entscheidende Rolle. Kürzere Waschgänge bei niedrigeren Temperaturen und eine voll beladene Maschine reduzieren die mechanische Reibung an den Textilien und somit den Faserbruch. Der Wechsel zu Naturfasern wie Wolle ist ebenfalls eine wirksame Alternative, da sich deren Fasern in der Umwelt biologisch abbauen.
Ihr Aktionsplan für mikroplastikarmes Waschen
- Spezial-Waschbeutel verwenden: Nutzen Sie Produkte wie den Guppyfriend, um Faserbruchstücke aufzufangen.
- Temperatur senken: Waschen Sie Synthetik bei maximal 30 °C. Das schont die Fasern und spart Energie.
- Kurze Programme wählen: Weniger Zeit in der Trommel bedeutet weniger Reibung und Faserverlust.
- Maschine voll beladen: Eine volle Trommel reduziert die mechanische Belastung der einzelnen Kleidungsstücke.
- Seltener waschen: Oft reicht es, synthetische Kleidung gut auszulüften, anstatt sie sofort zu waschen.
Warum stinkt Polyester nach 2 Stunden und Merino erst nach 2 Tagen?
Es ist ein Phänomen, das jeder Sportler kennt: Das neue Funktionsshirt aus Polyester riecht bereits nach einer kurzen, schweißtreibenden Einheit unangenehm, während ein Shirt aus Merinowolle selbst nach mehrtägigen Wanderungen erstaunlich neutral bleibt. Der Grund dafür liegt nicht im Schweiß selbst – denn frischer Schweiß ist geruchlos – sondern in der Wechselwirkung zwischen dem Material und den Bakterien auf unserer Haut. Synthetische Fasern wie Polyester sind der ideale Bakterien-Nährboden.
Die glatte, hydrophobe (wasserabweisende) Oberfläche von Polyesterfasern kann Feuchtigkeit schlecht aufnehmen. Der Schweiß bleibt auf der Oberfläche stehen und schafft ein perfektes feuchtwarmes Milieu, in dem sich Bakterien explosionsartig vermehren können. Insbesondere eine Bakterienart, die Mikrokokken, fühlt sich hier besonders wohl. Belgische Forscher zeigten in einer Studie, dass sich Mikrokokken in Polyester stark vermehren und für den typischen, stechenden Schweißgeruch verantwortlich sind. Diese Bakterien zersetzen die langkettigen Fettsäuren im Schweiß in kleinere, flüchtige und sehr unangenehm riechende Moleküle.
Wolle hingegen agiert völlig anders. Ihre Fasern sind hygroskopisch, das heißt, sie können Feuchtigkeit im Faserinneren binden. Die Oberfläche bleibt trockener und bietet Bakterien so eine deutlich schlechtere Lebensgrundlage. Zudem hat Wolle eine schuppige Faserstruktur, die Bakterien das Anhaften erschwert. Ein weiterer entscheidender Faktor wird von Experten des Hohenstein-Instituts erklärt:
Wolle bindet die Geruchsmoleküle stärker und länger an sich als beispielsweise Polyester – und fängt daher auch erst später an zu stinken. Von den Kunstfasern können sich die Moleküle leichter lösen und in unsere Nasen vordringen.
– Hohenstein-Wissenschaftler, BIKE Magazin Labortest
Das Geheimnis liegt also in einer Kombination aus Feuchtigkeitsmanagement, Oberflächenstruktur und chemischer Bindungsfähigkeit. Während Polyester eine Brutstätte für geruchsbildende Bakterien ist, wirkt Merinowolle diesem Prozess auf natürliche Weise entgegen.
Bluesign oder Grüner Knopf: Welchen Labels können Sie im Sportgeschäft vertrauen?
Beim Kauf von Outdoor-Kleidung wird der bewusste Verbraucher mit einer Vielzahl von Siegeln und Labels konfrontiert, die Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedingungen oder Schadstofffreiheit versprechen. Doch nicht jedes Siegel hat die gleiche Aussagekraft. Um im Label-Dschungel den Überblick zu behalten, ist es wichtig, die Philosophie hinter den wichtigsten Zertifizierungen zu verstehen. Zwei der prominentesten Siegel im Outdoor-Bereich sind Bluesign und der in Deutschland eingeführte Grüne Knopf.
Das Bluesign-System verfolgt einen Input-Ansatz: Es kontrolliert die gesamte Produktionskette bereits vor Beginn der Fertigung. Chemikalien, Farbstoffe und andere Hilfsmittel werden geprüft und nur zugelassen, wenn sie für Mensch und Umwelt unbedenklich sind. Es geht also primär um Ressourceneffizienz und die Vermeidung von Schadstoffen im gesamten Prozess. Fair Wear Foundation konzentriert sich hingegen ausschließlich auf die sozialen Standards in der Konfektion, also die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher. GOTS (Global Organic Textile Standard) ist der führende Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern wie Bio-Baumwolle und sichert ebenfalls Sozialstandards.
Der Grüne Knopf ist ein staatliches deutsches Siegel, das einen dualen Ansatz verfolgt: Es zertifiziert nicht nur das einzelne Produkt, sondern prüft auch das Unternehmen als Ganzes auf die Einhaltung seiner menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten. Ein Produkt erhält den Grünen Knopf nur, wenn es anspruchsvolle soziale und ökologische Kriterien erfüllt und das Unternehmen seine Verantwortung nachweisen kann. Die folgende Übersicht, basierend auf einer Analyse von Öko-Test, hilft bei der Einordnung:
| Siegel | Fokus | Kontrolle | Verbreitung |
|---|---|---|---|
| Bluesign | Produktionsprozess, Chemikalien | Unabhängige Prüfung | International |
| Grüner Knopf | Produkt + Unternehmen | Staatlich (Deutschland) | Deutschland |
| GOTS | Bio-Baumwolle, Sozialstandards | Zertifizierung | International |
| Fair Wear Foundation | Soziale Standards | Unabhängige Audits | International |
Es gibt nicht das eine „beste“ Siegel. Ein Bluesign-zertifiziertes Produkt ist ein starkes Statement für chemische Reinheit, während der Grüne Knopf eine umfassendere Unternehmensverantwortung signalisiert. Ideal ist eine Kombination mehrerer Siegel, die verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit abdecken.
Wie grün war die EURO 2024 in Deutschland im Vergleich zu den Versprechungen wirklich?
Die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland wurde im Vorfeld als die „nachhaltigste aller Zeiten“ beworben. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich dieses Versprechen als klassisches Beispiel für Greenwashing – eine Marketingstrategie, bei der ein Unternehmen oder eine Veranstaltung durch gezielte Kommunikation als umweltfreundlicher dargestellt wird, als sie es in Wirklichkeit ist. Während einzelne Maßnahmen wie vergünstigte Bahntickets für Fans oder Mehrwegbecher in den Stadien lobenswert waren, stand der Gesamtaufwand in einem krassen Missverhältnis zum ökologischen Nutzen.
Die größten Umweltauswirkungen eines solchen Mega-Events liegen in Bereichen, die oft unsichtbar bleiben. Dazu gehören die enormen Emissionen durch die Anreise internationaler Teams und Hunderttausender Fans per Flugzeug, der hohe Energieverbrauch der Stadien für Flutlicht und Übertragungstechnik sowie die Produktion von riesigen Mengen an Merchandise-Artikeln. Diese Produkte, oft unter fragwürdigen sozialen und ökologischen Bedingungen in Asien hergestellt, haben einen langen Transportweg und eine kurze Lebensdauer. Der Fokus auf wenige, sichtbare „grüne“ Aktionen lenkt von diesen massiven, systemischen Problemen ab.
Die EURO 2024 dient somit als Mahnmal und wichtige Lektion für den bewussten Verbraucher. Sie zeigt, dass man Marketingversprechen, sei es bei einem Fußballturnier oder auf dem Etikett einer Outdoor-Jacke, kritisch hinterfragen muss. Echte Nachhaltigkeit bemisst sich nicht an einzelnen, medienwirksamen Projekten, sondern an der Transparenz der gesamten Liefer- und Produktionskette. Ähnlich wie bei Funktionskleidung kommt es darauf an, hinter die Fassade zu blicken und zu fragen: Woher kommt das Produkt wirklich? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Und was ist sein gesamter ökologischer Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus?
Natur oder Hightech: Welches Material stinkt auch nach 3 Tagen Wandern nicht?
Die klare Antwort auf diese Frage lautet: Merinowolle. Während Hightech-Fasern wie Polyester in Disziplinen wie Trocknungsgeschwindigkeit punkten können, ist Merinowolle im Kampf gegen unangenehme Gerüche unschlagbar. Wie bereits erörtert, liegt dies an der einzigartigen Fähigkeit der Wollfaser, das Wachstum geruchsbildender Bakterien auf natürliche Weise zu hemmen. Doch es gibt noch einen weiteren physikalischen Grund für ihre Überlegenheit: ihr herausragendes Feuchtigkeitsmanagement.
Merinowolle ist hygroskopisch, was bedeutet, dass sie Wasserdampf (also Schweiß) von der Haut wegleiten und im Inneren der Faser speichern kann. Erstaunlicherweise kann Merino bis zu 30 Prozent des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich dabei nass anzufühlen. Diese Eigenschaft hält die Hautoberfläche trockener und schafft ein Mikroklima, das für Bakterien deutlich unwirtlicher ist als das feucht-warme Milieu auf einer Polyesterfaser. Der Schweiß wird quasi „eingesperrt“, bevor die Bakterien ihn zersetzen können.
Das Keratin-Geheimnis: Warum Wolle von Natur aus antibakteriell wirkt
Ein Labortest des Magazins „Der Jogger“ hat die geruchshemmende Wirkung von Merinowolle im Detail untersucht. Das Ergebnis bestätigt die Praxiserfahrung: Der Schlüssel liegt im Eiweißmolekül Keratin, dem Hauptbestandteil der Wollfaser. Kreatin macht es Bakterien besonders schwer, sich auf der Faser anzusiedeln und zu vermehren. Der Zersetzungsprozess des Schweißes durch Bakterien wird so auf natürliche Weise verlangsamt. Unangenehmer Geruch entsteht erst sehr viel später oder bei starker, langanhaltender Belastung gar nicht.
Diese Kombination aus aktiver Geruchsbindung und exzellentem Feuchtigkeitsmanagement macht Merinowolle zum idealen Material für mehrtägige Touren, bei denen man nicht jeden Tag die Kleidung wechseln kann. Ein Merino-Shirt kann problemlos zwei oder drei Tage getragen werden, ohne zu stinken, während ein Polyester-Shirt oft schon nach wenigen Stunden eine „Auffrischung“ benötigt. Für alle, die leicht und mit wenig Gepäck unterwegs sein wollen, ist die Investition in hochwertige Merinounterwäsche und -shirts daher eine der klügsten Entscheidungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Giftige PFC-Imprägnierungen sind ein ernstes Umweltproblem, aber wirksame und PFC-freie Alternativen sind mittlerweile Standard.
- Der Geruch von Sportkleidung ist reine Wissenschaft: Polyester ist ein idealer Nährboden für Bakterien, während Merinowolle deren Wachstum natürlich hemmt.
- Die richtige Pflege ist entscheidend: Weichspüler zerstört die Funktion von Membranen, und spezielle Waschbeutel reduzieren die Mikroplastik-Belastung erheblich.
Warum Weichspüler Ihre Funktionskleidung sofort ruiniert und die Atmungsaktivität zerstört
Es scheint kontraintuitiv: Man möchte seine teure Funktionsjacke pflegen und greift zum Weichspüler, um sie geschmeidig zu halten. Doch genau das ist der größte Fehler, den man bei der Pflege von Membrankleidung machen kann. Weichspüler wirkt wie ein Gift für die Poren der Membran und zerstört ihre wichtigste Eigenschaft: die Atmungsaktivität. Dieses Phänomen lässt sich als das Atmungsaktivitäts-Paradox beschreiben: Der Versuch, die Kleidung zu „pflegen“, führt zu ihrer funktionalen Zerstörung.
Moderne wasserdichte Membranen (egal ob mit oder ohne PFC) funktionieren durch mikroskopisch kleine Poren. Diese Poren sind klein genug, um Wassertropfen von außen abzuhalten, aber groß genug, um Wasserdampfmoleküle (also Schweiß) von innen nach außen entweichen zu lassen. Weichspüler enthalten kationische Tenside, die sich wie ein Film auf die Fasern legen, um sie weicher zu machen. Bei Funktionskleidung verstopft dieser Film die Poren der Membran vollständig. Das Ergebnis: Die Jacke ist nicht mehr atmungsaktiv. Schweiß kann nicht mehr entweichen, kondensiert auf der Innenseite und man hat das Gefühl, in einer Plastiktüte zu stecken.
Die richtige Pflege ist jedoch unkompliziert und entscheidend für die Langlebigkeit Ihrer Ausrüstung. Sie sichert nicht nur die Funktion, sondern schont auch die Umwelt und Ihren Geldbeutel, da die Kleidung seltener ersetzt werden muss. Folgende Grundregeln sollten Sie beachten:
- Niemals Weichspüler verwenden: Er verstopft die Poren der Membran und macht die Atmungsaktivität zunichte.
- Spezialwaschmittel nutzen: Verwenden Sie milde, für Funktionskleidung entwickelte Waschmittel. Sie reinigen schonend, ohne Rückstände zu hinterlassen.
- Bei niedriger Temperatur waschen: 30 bis 40 °C sind in der Regel ausreichend und schonen Material und Umwelt.
- Imprägnierung erneuern: Lässt der Abperleffekt nach, kann die Imprägnierung durch Wärme (z. B. im Trockner bei niedriger Stufe) reaktiviert oder mit einem PFC-freien Imprägnierspray erneuert werden.
- Notfall-Rettung: Falls doch einmal Weichspüler verwendet wurde, waschen Sie das Kleidungsstück mehrmals ohne Weichspüler mit einem Spezialwaschmittel, um die Rückstände aus den Poren zu spülen.
Eine gut gepflegte Jacke bleibt nicht nur länger funktionstüchtig, sie ist auch ein aktiver Beitrag zur Nachhaltigkeit. Denn das langlebigste Produkt ist immer das umweltfreundlichste.
Häufige Fragen zu nachhaltiger Outdoor-Kleidung
Wie erkenne ich PFC-freie Kleidung?
Achten Sie auf Begriffe wie ‚PFC-frei‘, ‚PFAS-frei‘ oder ‚ohne Fluorcarbon‘ auf den Etiketten und Produktbeschreibungen. Viele Hersteller werben mittlerweile aktiv mit dieser Eigenschaft.
Welche Marken sind bereits PFC-frei?
Marken wie Vaude und Jack Wolfskin verzichten bereits seit Längerem auf PFAS in ihren Kollektionen. Patagonia hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 alle wasserabweisenden Membranen umzustellen. Viele weitere Hersteller folgen diesem Trend.
Was bedeutet das EU-PFAS-Verbot für Verbraucher?
Die EU plant ein weitreichendes Verbot von PFAS. Ab dem 1. Januar 2026 soll dies bereits für bestimmte Bereiche wie Bekleidung gelten. Bis 2030 ist eine Ausweitung auf alle Textilprodukte vorgesehen, was den Druck auf die Hersteller erhöht, vollständig auf unbedenkliche Alternativen umzusteigen.